Präsident Macron landet in der Realität

Zur Sache

Stefan Brändle
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Für Emmanuel Macron ist der Schaden beträchtlich. Im Unterschied zu François Fillon oder Marine Le Pen, die im Präsidentschaftswahlkampf stur weitermachten, hat er zwar selber die Konsequenzen aus seinen Affären gezogen. Sie betreffen nicht direkt ihn oder seine Partei La République en marche. Berechnende Geister fügen zudem an, Macron sei eben nicht mehr auf die Minister der verbündeten Modem-Partei angewiesen gewesen, nachdem seine Partei am Sonntag die absolute Mehrheit errungen hatte.

Trotz allem wird der Gesamteindruck zurückbleiben, dass es nur einen Monat dauerte, bis die als so tadellos gerühmte Staatsspitze um Macron in den Strudel der «affaires» gerät. Das ist für den Staatschef gravierender als der Wechsel in vier Schlüsselministerin. Der Präsident, der so viel auf seine Kommunikation und sein Image hält, wirkt plötzlich wie ein normaler Politiker, ein normaler Präsident. Seinen Heiligenschein in den Wolken zurücklassend, die ihn ins Elysée getragen hatten, ist Macron im Politalltag gelandet.

Das hat auch sein Gutes nach einer gewissen Verklärung, die sich am Sonntag auch darin zeigte, dass in der Nationalversammlung teils völlig unbekannte Kandidaten nur deshalb ­gewählt wurden, weil sie für Macron antraten. Die politische Realität gewinnt in Frankreich die Oberhand. Macron steht vor äusserst schwierigen, heissumstrittenen Dossiers wie der Arbeitsmarktreform oder der Verewigung des Anti- Terror-Notrechts. Noch führt er das Zepter. Aber er weiss nun auch: Ohne Widerstände, sozusagen per Zauberhand, wird es für ihn nicht gehen.Seite 7