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Niederlande: Schock nach Suizid von Politikerin

Eine Politikerin der rechten Partei für die Freiheit bringt das Land mit ihrem Suizid in Aufruhr. Kurz vor ihrem Tod hat sie einen ehemaligen Parteikollegen beschuldigt, ihre Vergewaltigung angeordnet zu haben.
Helmut Hetzel, Den Haag
Die PVV-Politikerin Willie Dille. Bild: Phil Nijhuis

Die PVV-Politikerin Willie Dille. Bild: Phil Nijhuis

Mitten in der Sommerpause spielt sich in Den Haag eine politische Tragödie ab. Die prominente Politikerin Willie Dille von der Partei für die Freiheit (PVV) des bekannten niederländischen Rechtspolitikers und Islamkritikers Geert Wilders, nahm sich am Mittwochabend das Leben, teilte ihre Familie am Donnerstag mit. Die vierfache Mutter wurde 53 Jahre alt. Zwischen 2010 und 2012 war sie Mitglied des niederländischen Parlaments, seit Mai 2012 sass sie im Gemeinderat von Den Haag. Sie war fast 30 Jahre lang in der Behindertenpflege tätig und versorgte neben ihren vier eigenen Kindern auch noch zwei Pflegekinder.

Tags zuvor beherrschte Willie Dille die politischen Schlagzeilen in den Niederlanden, nachdem sie auf ihrer Facebook-Seite ein Video veröffentlicht hatte. Darin behauptete sie, eine Gruppe von Muslimen habe sie im März 2017 vergewaltigt. Sie habe lange geschwiegen. Jetzt aber werde sie von «Marokkanern» mit dem Tod bedroht. «Sie kamen zu meinem Auto und sagten, wir werden dir die Kehle durchschneiden und dich langsam totbluten lassen. Ich habe jetzt auch Angst um meine Kinder, dass ihnen etwas angetan werden könnte. Darum rede ich jetzt. Man will mich mundtot machen», sagte Dille im Video.

Umstrittene Äusserungen zum Islam

Das Video löste am Mittwoch eine heftige Debatte und viele Reaktionen in den sozialen und in den etablierten Medien aus. Unterstützer von Willie Dille forderten eine Untersuchung der Vergewaltigungsvorwürfe sowie der Bedrohung der Politikerin. Willie Dille beschuldigte im Video namentlich Arnoud van Doorns, die Vergewaltigung und ihre Bedrohung in Auftrag gegeben zu haben. Van Doorns ist derzeit Vorsitzender der Partei Islamdemokraten in Den Haag. Vor seiner Konversion zum Islam war er PVV-Mitglied und ein Mitarbeiter von Willie Dille. Sie hatte ihn allerdings entlassen. «Er hasst mich», sagte Dille in ihrem Video. Van Doorns schrieb am Mittwoch auf Twitter, er werde Willie Dille möglicherweise wegen übler Nachrede und Verleumdung anklagen.

Am Donnerstag, nach dem Tod der PVV-Politikerin, zeigte sich van Doorns «schockiert» und sprach von einer «traurigen Sache». Kritiker von Willie Dille behaupteten vor dem Suizid, Willie Dille habe die Vergewaltigung erfunden, um Muslime anzuschwärzen. Dille war eine entschiedene Kritikerin des Islams, wie die meisten Politiker der PVV. Als Politikerin war sie nicht unumstritten. Vor rund zweieinhalb Jahren deutete sie laut dem Onlineportal «NiederlandeNet» der Universität Münster in einem Video auf Twitter an, dass Muslime mit einer Atombombe vernichtet werden sollten. Das Portal schreibt weiter, dass Dille im Video verwirrt gewirkt habe.

Die Frage bleibt, was an den Vorwürfen der verstorbenen Politikerin dran ist. Die Haager Polizei hat mitgeteilt, dass Dille keine Anzeige erstattet hatte. Geert Wilders kondolierte am Donnerstag der Familie von Willie Dille und twitterte: «Sie war eine fantastische Kollegin, die immer ein Auge für die Mitmenschen hatte, besonders für die Jugend. Ihr Verlust ist nicht mit Worten zu beschreiben. Wir werden sie enorm vermissen. Wir wünschen ihrem Partner und ihren Kindern viel Kraft.» Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte erklärte auf Twitter zu ihrem Tod: «Ich bin geschockt über den Tod von Willie Dille. Mein Mitgefühl gilt der Familie von Willie Dille. Ich habe Geert Wilders und der PVV viel Kraft gewünscht, um über diesen schweren Verlust hinwegzukommen.»

Bürgermeisterin unterbricht Ferien

Die Haager Bürgermeisterin Pauline Krikke unterbrach ihre Sommerferien und machte sich auf den Weg zurück nach Den Haag. Sie erklärte: «Ich bin geschockt. Wir haben eine engagierte und passionierte Stadträtin verloren. Wir werden Willie Dille in jeder Debatte schmerzlich vermissen, ihren Humor und ihre passionierte Redeführung.»

Die PVV-Fraktionsvorsitzende im Haager Stadtrat, Karen Gerbrand, erklärte: «Mit Niedergeschlagenheit und grosser Trauer haben wir den plötzlichen Tod von Willie Dille zur Kenntnis genommen. Wir verlieren mit ihr nicht nur eine Kollegin, sondern auch eine Freundin.»

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