Polen will über seine Gastarbeiter verhandeln

«Nicht alle sind glücklich, aber wir achten selbstverständlich den souveränen Entscheid des britischen Volkes», hat Polens Regierungschefin Beata Szydlo in einer Ansprache an die Nation zerknirscht erklärt.

Paul Flückiger/Warschau
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«Nicht alle sind glücklich, aber wir achten selbstverständlich den souveränen Entscheid des britischen Volkes», hat Polens Regierungschefin Beata Szydlo in einer Ansprache an die Nation zerknirscht erklärt. Brüssel habe die Krise lange «unter den Teppich gekehrt», nun habe es die Quittung dafür erhalten. Die EU brauche nun eine pragmatische, vorwärtsschauende Politik, vor allem aber mehr Bürgernähe.

«Polen bleibt aber ein verlässlicher EU-Partner», widersetzte sie sich indes klar jenen Stimmen innerhalb der Regierungspartei PiS, die schon lange mit einem EU-Austritt liebäugeln.

Gegen ein Kerneuropa

Zuvor hatte ihr Parteichef Kaczynski im gleichgeschalteten staatlichen Nachrichtensender «TVP Info» vor der Konzeption eines Kerneuropa gewarnt und den Brexit als Folge einer tiefen EU-Krise charakterisiert.

Gastarbeiter, das Wichtigste

«Das Wichtigste für meine Regierung ist nun das Los der polnischen Gastarbeiter», unterstrich Szydlo. Seit dem EU-Beitritt von 2004 sind weit über eine Million Polen als Gastarbeiter nach Grossbritannien ausgewandert. An deren Rückkehr kann der PiS nicht liegen, denn die Emigration drückt die Arbeitslosenquote in Polen, und die Transferzahlungen kurbeln die Wirtschaft an.

Warschau wolle in bilateralen Verhandlungen mit London nun alle zugesagten Privilegien der polnischen Gastarbeiter schützen, sagte Szydlo.