Polen
«Polen den Polen!» und «Polen ohne Dschihad!»: Faschisten marschieren in Elk

Nach ausländerfeindlichen Protesten spitzt sich die Lage zu. Die Regierung giesst Öl ins Feuer.

Paul Flückiger, Danzig
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In dem in Silvesternacht zerstörten Döner-Imbiss «Prince Kebab» wurde der junge Pole Daniel R. bei einem Handgemenge mit einem Küchenmesser tödlich verletzt..

In dem in Silvesternacht zerstörten Döner-Imbiss «Prince Kebab» wurde der junge Pole Daniel R. bei einem Handgemenge mit einem Küchenmesser tödlich verletzt..

Keystone

«Polen den Polen!» und «Polen ohne Dschihad!», schreien ein paar Dutzend Kehlen und recken die Fäuste in die Luft. Am Papst-Johannes-Paul-II.-Platz in der masurischen Stadt Elk stehen sie etwas verloren in der kalten Mittagssonne und lauschen den Brandreden der rechtsextremen «Brigade Ermland-Masuren» und der «Brigade Podlasien». Trotz der angeheizten Stimmung: Der Aufmarsch der Anhänger des «National-Radikalen Lagers» (ONR) verläuft diesmal friedlich.

38 Prozent...

... der polnischen Wähler stimmten im Oktober für die Oppositionspartei «Recht und Gerechtigkeit» (PiS) und verhalfen der rechtsradikalen Gruppierung zum Wahlsieg.

Zu der Protestkundgebung gegen Ausländer hatte die neofaschistische Splitterpartei ONR zusammen mit der rechtsextremen «Allpolnischen Jugend» aufgerufen. Trotz vollmundigen Facebook-Ankündigungen, wonach mehrere hundert Teilnehmer erwartet würden, versammelten sich am Ende nur ein paar Dutzend Rechtsradikale vor der Bühne mit den grünen Runen-Bannern und den polnischen Flaggen. Nach den Ansprachen zogen sie vor den in der Silvesternacht zerstörten Döner-Imbiss «Prince Kebab», um dort Blumen für Daniel R. hinzulegen.

Kebab-Koch unter Mordverdacht

Der junge Pole war in der Silvesternacht bei einem Handgemenge vor dem Imbiss tödlich mit einem Küchenmesser verletzt worden. Er hatte zuvor zwei Getränkeflaschen gestohlen. Ein tunesischer Koch sitzt seitdem wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft, ebenso der aus Algerien stammende Imbissbesitzer. Der Vorfall führte zu gewalttätigen ausländerfeindlichen Krawallen in der 60 000 Einwohner zählenden Stadt Elk. Dabei wurden zwei Polizisten leicht verletzt. Zwei Kebab-Imbisse und eine von Ausländern bewohnte Wohnung wurden zerstört. Die Polizei hat bis Sonntagmittag 31 Polen festgenommen, die im Verdacht stehen, in die Vorfälle verwickelt zu sein.

Die ONR, die in der strukturschwachen Region Masuren unter den oft arbeitslosen Jugendlichen sehr beliebt ist, solidarisierte sich früh mit dem wütenden Mob von Elk. «Wir hätscheln den Islam nicht, sondern wir schlagen mit der Faust zu», sagte der lokale ONR-Chef Lukasz Banas kürzlich auf einer Pressekonferenz. Die Silvesternacht habe gezeigt, dass «Ausländer und Polen nicht friedlich zusammenleben» könnten, sagte Banas weiter. Wen die ONR mit «Ausländer» genau meint, liess die Splitterpartei offen. Neben der polnischen Bevölkerungsmehrheit leben in Masuren immer noch ein paar wenige eingesessene Deutsche sowie Tausende von Ukrainern, die 1947 von Südostpolen an die russische Grenze zwangsumgesiedelt wurden.

Regierung schützt Rechtsradikale

Seit der tragischen Messerstecherei in der Silvesternacht gibt es landesweit immer wieder Übergriffe auf ausländische Kebab-Imbissmitarbeiter. Die regierungskritische Tageszeitung «Gazeta Wyborcza» vermeldete am Samstag mindestens fünf Angriffe seit Neujahr. Von den Angriffen sind nicht nur Moslems, sondern auch Hindus betroffen.

Polen sei dennoch ein völlig sicheres Land, betont Mariusz Blaszczak, Innenminister der rechtsnationalen Kaczynski-Regierung. Dabei giesst der Kaczynski-Anhänger neues Öl ins Feuer. Die Randalierer von Elk hätten «verständliche Sorgen», betonte Blaszczak mehrmals. Die Bevölkerung sei nach den Terroranschlägen von Berlin, Nizza und Paris zu Recht beunruhigt. Der Regierungsentscheid, keine muslimischen Flüchtlinge aufzunehmen, sei richtig, sagt er.

Die Regierungspartei «Recht und Gerechtigkeit» (PiS) hat ihren überragenden Wahlsieg vom Herbst 2015 einer zynischen Kampagne auf dem Rücken der Flüchtlinge zu verdanken. Seitdem schürt die Regierung die Angst vor Ausländern vor allem aus dem arabischen Raum. Die am Samstag in Elk konzentrierten Hundertschaften der Polizei mussten im Unterschied zur Neujahrsnacht allerdings nicht einschreiten. Die ONR-Anhänger hielten sich zurück – und die wenigen Ausländer trauen sich seit Jahresbeginn sowieso kaum mehr auf die Strasse.

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