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Verteidigungsminister Padrino ist das Zünglein an der Waage in Venezuelas Machtkampf

Vladimir Padrino, Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber, spielt im Konflikt in Venezuela eine wichtige Rolle. Vor wenigen Tagen soll er fast zum Oppositionsführer Juan Guaidó gewechselt haben.
Sandra Weiss, Puebla
Vladimir Padrino (Mitte) bekräftigt an einer Medienkonferenz die Treue des Militärs zu Maduro. (Bild: Miguel Gutierrez/EPA (Caracas, 24. Januar 2019))

Vladimir Padrino (Mitte) bekräftigt an einer Medienkonferenz die Treue des Militärs zu Maduro. (Bild: Miguel Gutierrez/EPA (Caracas, 24. Januar 2019))

Er ist das Zünglein an der Waage im Machtkampf in Venezuela: Vladimir Padrino, Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Glaubt man der US-Regierung, war der 55-Jährige Anfang der Woche bereit, die Seiten zu wechseln, habe es sich aber in letzter Minute anders überlegt und Machthaber Nicolás Maduro die Stange gehalten. Das mag Mythos sein, eine gut aufgestellte Falle für die US-Verschwörer oder ein Körnchen Wahrheit haben – so genau weiss man das bei Pokerface Padrino nicht. Er ist ein eher kantiger Typ, Militär durch und durch. Seine Sätze sind kurz und holprig, oft wiederholt er nur stereotypartige Propaganda.

Der sportliche Mann mit dem grauen Bürstenhaarschnitt und den buschigen Augenbrauen ist der Rasputin im Erdölstaat, derjenige, bei dem die Fäden der Macht zusammenlaufen. Seit 2014 ist Padrino Verteidigungsminister und Oberkommandierender der Streitkräfte. Er bestimmt damit über rund 2000 Generäle und 350000 Mann in Waffen. Als Superminister koordiniert er das Krisenkabinett, das für die Lebensmittel- und Medikamentenversorgung zuständig ist, und ist in letzter Instanz verantwortlich für die Erdöl- und Grundstoffindustrien, die das Militär mittlerweile kontrolliert.

«Gehorsam», «kühl» und «kalkulierend»

Er sei kein Freund der Militarisierung des Staates, sagte der Volksmusik-Liebhaber und Gitarrespieler, als er zum Superminister ernannt wurde. Aber etwas Disziplin schade nicht. Politische Ambitionen werden ihm nicht nachgesagt, aber durch die Kontrolle über die wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes sind die Militärs inzwischen ein Staat im Staate, und von ebenso ­korrupten Partikularinteressen durchsetzt wie der zivile Sektor.

Geboren 1963 im ärmlichen Westen von Caracas als Sohn einer Grundschullehrerin und eines Arbeiters, machte er nach dem Abitur auf Anraten eines Freundes die Aufnahmeprüfung an die Militärakademie. Danach ging er zur Infanterie; 1995 nahm er an einem Kurs der berüchtigten «School of Americas» teil, an der die USA die lateinamerikanischen Streitkräfte in Techniken des Schmutzigen Krieges gegen «kommunistische Subversive» unterrichteten. Als «diszipliniert, höflich, fleissig, humorvoll, gehorsam und prinzipientreu», erinnert sich seine Cousine Minerva an ihn, die sich heute allerdings «für ihn schämt». Mitstreiter bezeichnen ihn zwar nicht als akademisch brillant, aber als «kühl kalkulierenden Strategen».

Wenn er eine Achillesferse hat, ist es seine Eitelkeit. Schon als Soldat stand er wegen seiner Attraktivität bei Galafeiern immer in der ersten Reihe. Seinen Aufstieg verdankt Padrino dem früheren Staatspräsidenten Hugo Chávez, den er bewunderte und dem er während des Putschversuchs im Jahr 2002 treu blieb, als er Kommandant eines Infanteriebataillons war. Von da an bekam er immer wichtigere Posten. 2010 wurde er zum General befördert, 2012 machte ihn Chávez zum Heereschef. Seither ist es üblich, dass sich die früher unpolitischen Streitkräfte öffentlich zum «antiimperialistischen Sozialismus» und zur Revolution bekennen. Das brachte Padrino harsche Kritik der Opposition ein. «Der Offizier, der Politik machen will, soll die Uniform an den Nagel hängen», forderte ihn Ex-Parlamentspräsident Henry Ramos Allup auf – was eine wütende Antwort Padrinos nach sich zog und die Drohung, Ramos wegen Beleidigung der Streitkräfte ins Gefängnis zu stecken.

Parteiinterne Machtkämpfe entschied er bisher für sich

Padrino gilt als loyaler Regierungsanhänger, doch offenbar gibt es Grenzen – die ihm seine eigenen Waffenbrüder aufzeigen. Als in der Wahlnacht im Dezember 2015 der sozialistische Politiker Diosdado Cabello die Niederlage bei der Parlamentswahl nicht anerkennen und bewaffnete Schlägertrupps mobilisieren wollte, trat Padrino vor die Presse. In Olivgrün und flankiert vom Generalstab erklärte er, die Streitkräfte würden jeden Versuch der Sabotage des Volkswillens unterbinden. Die Opposition, die schon um ihren Sieg gefürchtet hatte, atmete auf. Anschliessend gab es parteiinterne Versuche, Padrino abzusägen. Den Machtkampf entschied er für sich.

Seither aber hat Vladimir Padrino alle noch so haarsträubenden Initiativen Maduros abgesegnet, so etwa die Entmachtung des Parlaments. Der Schiessbefehl auf Demonstranten geht gar auf seine Initiative zurück. Er habe sich zum Komplizen der Menschenrechtsverletzungen des Regimes gemacht, warf ihm sein Cousin Ernesto in einem offenen Brief vor. «Früher oder später wird dir das Volk die Rechnung präsentieren. Cousin, es reicht!», schrieb er. Wirtschaftlich dürfte er wie alle hohen Chargen des Regimes ausgesorgt haben. Er ist Teilhaber diverser Import-Export-Firmen.

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