Plötzlich wurde es in Genf hektisch

Was im Frühling noch als unmöglich galt, schien gestern plötzlich Realität zu werden: Iran und der Westen erzielen im Streit um das Teheraner Atomprogramm eine Zwischenlösung – in einem Konflikt, der schon mehr als ein Jahrzehnt dauert.

Michael Wrase
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Was im Frühling noch als unmöglich galt, schien gestern plötzlich Realität zu werden: Iran und der Westen erzielen im Streit um das Teheraner Atomprogramm eine Zwischenlösung – in einem Konflikt, der schon mehr als ein Jahrzehnt dauert. Erst zweimal kamen die Unterhändler beider Seiten in Genf zusammen, um eine vorläufige Einigung perfekt zu machen. Sie erschien möglich, weil alle Seiten sich bereit zeigten, sich zu bewegen.

Unter dem massiven Druck von Sanktionen ordnete Irans Revolutionsführer Ali Chamenei «historische Flexibilität» an. Aber auch die Amerikaner haben erkannt, dass sie den seit der islamischen Revolution von 1979 bestehenden Konflikt mit der Regionalmacht Iran einmal entschärfen müssen. Die Wahl des gemässigten Geistlichen Hassan Rowhani zum neuen Präsidenten Irans eröffnete ihnen neue Möglichkeiten.

Dass Israel auch gegen eine mögliche Zwischenlösung Sturm laufen würde, war zu erwarten – und ist auch nachvollziehbar. Denn bei einem allfällig zeitlich begrenzten Verzicht auf eine Urananreicherung von 20 Prozent darf es nicht bleiben. In einem definitiven «Deal» muss Iran die Möglichkeit genommen werden, mit dem vorhandenen technologischen Know-how eine Atombombe bauen zu können. Eine Nulllösung, wie sie Israel und auch die Saudis gerne sehen würden, wird es nicht geben. Auch die USA werden am Ende das von Teheran geforderte Recht auf ein von der Internationalen Atomenergiebehörde überwachtes ziviles Atomprogramm anerkennen, sollte Iran sein Versteckspiel endgültig beenden. Sicher ist das nicht. Aber eine Zwischenlösung berechtigte zu Optimismus.

ausland@tagblatt.ch

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