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Pjöngjangs eiskaltes Machtkalkül

Analyse zu den Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea
Angela Köhler, Tokio/Seoul

Wenn er etwas durchsetzen will, fährt Nordkoreas Machthaber alles auf, was imponieren könnte – Raketen, Atomsprengköpfe oder Festbankette. Beim überraschenden Empfang einer südkoreanischen Abordnung in Pjöngjang ordnete Kim Jong Un nun das ganz grosse Protokoll an. Neben Spitzen seiner Partei- und Staatsführung setzte der Diktator auch die selten gesehene Ehefrau Ri Sol Ju ein sowie Schwester Kim Yo Jong, unlängst offizielle Vertreterin bei den Olympischen Winterspielen. Das Staatsessen vermittelte den Gästen damit den Eindruck einer privaten Familienfeier, bei der alle die gemeinsamen Blutsbande des koreanischen Volkes spüren konnten.

Pjöngjangs Despot soll vorgeschlagen haben, Seouls Staatschef Moon Jae In zu treffen. Auf den ersten Blick wirkt diese Einladung wie eine sensationelle Geste, die diplomatisches Tauwetter im Permafrost des Atomkonflikts verspricht. Auch ein Moratorium für die Raketen und Kernwaffentests steht in Aussicht. All das wäre wünschenswert, wenn es nicht zu viele «Wenn» gäbe.

Kim Jong Un redete zwar viel von brüderlichen Gefühlen, aber was er seinem Gegenüber wirklich versprach, ist bisher nicht amtlich. Merkwürdig ist, dass es bisher keine Bestätigung aus Pjöngjang gibt. Nur das Blaue Haus in Seoul, der Amtssitz des südkoreanischen Präsidenten, verkündete die frohe Botschaft, dass der Diktator aus Pjöngjang den Staatspräsidenten aus Seoul persönlich kennen lernen möchte.

Wenn es dazu kommt, wäre dies ein erheblicher Erfolg für den jungen Herrscher, denn zu diesem Zeitpunkt wollten die USA und Südkorea eigentlich in jahrzehntelanger Tradition gemeinsame Militärmanöver abhalten. Die Übung war wegen der Olympischen Winterspiele schon auf den März verschoben worden. Südkoreas Präsident müsste Donald Trump wohl noch einmal bitten, diesen riesigen Militäraufmarsch erneut auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen oder 2018 sogar gänzlich abzusagen. Nordkorea erwartet dies als Vorleistung für Gespräche über Entspannung oder gar Kooperation auf der seit fast 70 Jahren geteilten Halbinsel. In diesem Jahr ist die Manöverplanung mehr noch als sonst aggressiv zu nennen. Die USA wollen dabei erproben, wie man Nordkoreas Führung militärisch «enthaupten» und deren Atomwaffenarsenal zerstören könnte. Mit seiner Einladung zum Dialog hat Kim Jong Un diese Pläne erst einmal durchkreuzt und treibt einen tiefen Keil in die amerikanisch-südkoreanische Sicherheitsallianz.

Auch die Begleitumstände des geplanten Korea-Gipfels klingen seltsam. Der Norden will angeblich auf weitere Raketen- und Atomtests verzichten und den Süden auch mit konventionellen oder nuklearen Waffen nicht angreifen – dies gilt allerdings nur für die «Dauer der Gespräche», erklärt Südkorea. Nicht einmal diese Selbstverständlichkeit wurde jedoch verbindlich zugesagt. Es spricht vieles dafür, dass Nordkorea die Welt einmal mehr zum Narren hält. Natürlich klopft Kim zuerst an jene Tür, die sich vermutlich am leichtesten öffnen lässt. Es gab schon zwei interkoreanische Gipfeltreffen mit viel südkoreanischer «Sonnenschein»-Illusionspolitik, und jedes Mal folgte darauf die brutale Ernüchterung – Südkorea zahlt, und Nord­korea baut weiter Bomben.

In Seoul schwärmen politische Träumer bereits von einer «neuen Geschichte der Wiedervereinigung». Südkoreas linksliberaler Staatschef Moon Jae In war auch schon in der Vergangenheit allzu gern bereit, die Pforte weit aufzustossen, ohne den Gegenwind zu spüren, der ihm früher oder später aus Pjöngjang entgegenschlägt. Und auch diesmal lässt sich darauf wetten, dass für Pjöngjang dieses eiskalte Kalkül erneut aufgeht. So soll Seouls Präsident der Bedingung zugestimmt haben, dass sein Land die «politische Stabilität» der kommunistischen Führung garantiert. Gemeint ist damit, Südkorea soll der Weltöffentlichkeit in den Arm fallen, die mit internationalen Sanktionen den nordkoreanischen Atomwahnsinn beenden wollen.

Angela Köhler, Tokio/Seoul

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