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USA: Entsetzen über das Massaker in der Synagoge in Pittsburgh

Ein 46-Jähriger ermordet in einer Synagoge in Pittsburgh elf Menschen. Ein 56-Jähriger verschickt Paketbomben an prominente Kritiker von Präsident Donald Trump. Amerika debattiert über die Ursachen von politischer Gewalt.
Renzo Ruf, Washington
Zwei Frauen trösten sich gegenseitig vor der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh. (Bild: Matt Rourke/AP (28. Oktober 2018))

Zwei Frauen trösten sich gegenseitig vor der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh. (Bild: Matt Rourke/AP (28. Oktober 2018))

Das Massaker in einer Synagoge in Pittsburgh (Pennsylvania) treibt in der Schlussphase des amerikanischen Wahlkampfes die emotional geführte Debatte über den Umgangston in der amerikanischen Politik an. Am Samstag ermordete der bekennende Antisemit Robert Bowers (46) im jüdischen Gotteshaus «Tree of Life Synagogue» elf Menschen, drei Frauen und acht Männer im Alter von 54 bis 97 Jahren. Sechs Menschen wurden verletzt, darunter vier Polizisten.

Der schwerbewaffnete Bowers begründete seine Tat mit den Worten: «Alle Juden müssen sterben.» Zuvor hatte er auf dem Kurznachrichtendienst Gab antisemitische und rassistische Botschaften verbreitet.

Sprunghafter Anstieg antisemitischer Vorfälle

Die Tat wurde umgehend von linken und rechten Politikern scharf verurteilt. Präsident Donald Trump nannte den antisemitisch motivierten Anschlag auf die Synagoge «einen Anschlag auf die Menschheit». Der Pittsburgher Stadtpräsident Bill Peduto, ein Demokrat, sprach darüber, wie die jüdische Gemeinde «das Rückgrat» seiner Stadt bilde. «Wir wissen», sagte er, «dass die Menschen, die versuchen, uns zu spalten, nicht gewinnen werden.»

Jonathan Greenblatt, Chef der Bürgerrechtsorganisation ADL (Anti-Defamation League), nannte das Massaker die schlimmste Bluttat, die jemals an amerikanischen Juden verübt worden sei. Er wies gestern im Gespräch mit dem Fernsehsender NBC auch darauf hin, dass im vergangenen Jahr die Zahl der antisemitischen Vorfälle, die ADL bekannt seien, sprunghaft angestiegen sei. Seiner Meinung nach hänge dies damit zusammen, dass führende rechte Politiker die Argumente übernähmen, die von Rechtsextremisten verbreitet würden, sagte Greenblatt. Sie normalisierten damit extremistisches Verhalten. Als Beispiel nannte der ADL-Chef die Kampagnen gegen den Financier George Soros, einen jüdischen Unterstützer der Demokraten. Republikaner verwendeten oft antisemitische Klischees, wenn sie über den 88-jährigen Multimilliardär sprächen, sagte Greenblatt. Soros war vorige Woche einer der Empfänger einer Paketbombe gewesen, die der selbsternannte Trump-Fan Cesar Sayoc (56) in Florida verschickt hatte.

Trumps Alliierte weisen Kritik am Präsidenten zurück

Alliierte von Donald Trump wiesen die implizite Kritik an der Rhetorik des Präsidenten und seiner Parteikollegen umgehend zurück. Es sei falsch, sagen sie, dass Trump für die Taten von Extremisten verantwortlich gemacht werde. So sagte der ehemalige Wahlkampfhelfer David Urban auf dem Nachrichten- sender CNN: Trump habe in seiner Amtszeit bewiesen, dass er ein enger Freund von Israel sei. Daraufhin sagte der Moderator Jake Tapper: «Niemand spricht über Israel», die Debatte drehe sich um Juden in Amerika. Pointiert formulierte es der kalifornische Parlamentsabgeordnete Adam Schiff, ein Demokrat: Gewalttaten an Andersgläubigen ereigneten sich nicht einfach so, sie ereigneten sich, weil jemand Furcht säe.

Gegen den mutmasslichen Attentäter Bowers wurde am Samstag umgehend Anklage erhoben. Die Bundesbehörden veröffentlichten eine Anklageschrift mit insgesamt 29 Anklagepunkten. (Würde er verurteilt, droht ihm die Todesstrafe.) Der lokale Staatsanwalt wiederum erhob Anklage gegen Bowers in 36 Anklagepunkten. Bowers befindet sich derzeit in Spitalpflege.

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