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Religionen: Pionierarbeit in Dubai

Die Vereinigten Arabischen Emirate öffnen sich langsam den wenigen dort ansässigen Juden. Auch Christen erfahren eine wachsende Toleranz. Und selbst in Saudi-Arabien wird man kulanter gegenüber anderen Religionen.
Michael Wrase, Limassol
Seit 2016 ist der 67-jährige Scheich Nahyan bin Mubarak «Minister für Toleranz» der Vereinigten Arabischen Emirate. (Bild: Francois Nel/Getty; Abu Dhabi, 4. Mai 2015)

Seit 2016 ist der 67-jährige Scheich Nahyan bin Mubarak «Minister für Toleranz» der Vereinigten Arabischen Emirate. (Bild: Francois Nel/Getty; Abu Dhabi, 4. Mai 2015)

Der Mitte November in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) abgehaltene «Weltgipfel der Toleranz» markierte die Öffnung: Zu der Veranstaltung, auf der «Missverständnisse über Religionen und Kulturen abgebaut werden sollten», hatte der 2016 ernannte «Minister für Toleranz», Scheich Nahyan bin Mubarak, mehr als 1000 religiöse Führer eingeladen. Neben Muslimen, Christen und Hindus nahmen erstmalig auch Mitglieder der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Dubai teil, die in dem Emirat vor drei Jahren eine Synagoge gründeten, darüber aber Stillschweigen bewahrten.

Dies hat sich jetzt geändert. Dass es auch in Dubai jüdisches Leben gibt und in der Vier-Millionen-Metropole am Persischen Golf die einzige Synagoge der Arabischen Halbinsel steht, ist nicht mehr «geheim» oder ein Tabu. Es wird entspannt und offen darüber gesprochen.

Zur spürbaren Entspannung tragen auch die Regierungen der Vereinigten Arabischen Emirate und vom grossen Nachbarn Saudi-Arabien bei, die inzwischen den Iran, und nicht mehr Israel, als die grössere Bedrohung betrachten.

Muslimische Herrscher bekommen jüdischen Segen

Auf Hinweisschilder hin zur Synagoge von Dubai hat man, vermutlich noch immer aus Sicherheitsgründen, trotzdem verzichtet. Das unscheinbare Gebäude, in dem ein grosser Gebetsraum, eine koschere Küche und einige Schlafzimmer für Besucher einrichtet wurden, befindet sich in einem ruhigen Wohnviertel der Wirtschaftsmetropole, nur einen Steinwurf von einer grossen Moschee entfernt.

Am Sabbat und an jüdischen Feiertagen versammeln sich dort in der Regel bis zu 50 Gläubige. Einen ständigen Rabbiner hat die kleine Gemeinde noch nicht. Sie wird aber regelmässig von Rabbinern aus Europa, den USA und vermutlich auch Israel besucht. Man folgt dann der orthodoxen Liturgie und bezieht in den traditionellen jüdischen Segen die Herrscher der sieben Arabischen Emirate und deren Stellvertreter mit ein.

Er sei «einen langen Weg gegangen», seit er vor 30 Jahren begonnen habe, Geschäftsreisen nach Dubai zu unternehmen, zitiert der Medienkonzern Bloomberg den Unternehmer Eli Ep­stein. Der aus New York stammende amerikanische Jude hatte bei der Gründung der Synagoge vor drei Jahren geholfen und eine Thorarolle gespendet. «Bei meinen ersten Reisen nach Dubai sagten mir die Leute, dass ich meinen Nachnamen nicht benutzen sollte, weil er zu jüdisch klingt.»

Epstein betreibt heute zusammen mit Mohammed Alabbar, dem Erbauer des 163 Stockwerke hohen «Bourj al Khalfia»-Wolkenkratzers, ein riesiges Aluminiumunternehmen in dem Emirat. Die beiden sind gute Freunde geworden und pflegen ihre Freundschaft auch mit religiösen Geschenken wie Thora-Rollen und Luxusausgaben des Koran.

Die Vielfalt der Kulturen und Religionen sei die «beste Präventivwaffe gegen den Radikalismus», hatte der Premierminister der VAE, Scheich Raschid al-Maktoum, auf dem «Weltgipfel der Toleranz» betont. Man wolle versuchen, die Kulturen näher zusammenzubringen und so einen Dialog zwischen Religionen und Zivilisationen schaffen.

Gottesdienste in Botschafter-Residenzen

Bereits 1974 hatte Dubai den Bau von Kirchen und Hindu-Tempeln gestattet. So weit ist man im benachbarten Saudi-Arabien noch lange nicht. Dort konnte vor einem Monat erstmals in einem Privathaus ein koptischer Gottesdienst mit behördlicher Zustimmung stattfinden.

Der koptisch-orthodoxe Patriarch aus Ägypten, Tawadros II, will noch in diesem Monat einer Einladung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman folgen und dem Wüstenkönigreich einen offiziellen Besuch abstatten. Rabbis, aber auch christliche Seelsorger und Würdenträger, müssen sich dagegen weiterhin als Diplomaten tarnen, wenn sie in das Land reisen. Ihre noch immer streng geheimen Gottesdienste finden meist in Botschaften oder, am bevorstehenden Weihnachtsfest, auch in den Residenzen der in der Hauptstadt Riad akkreditierten Botschafter statt.

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