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Petry pokert hoch

Zur Sache
Christoph Reichmuth, Berlin

Kurz vor dem Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) zaubert die Co-Vorsitzende der Partei, Frauke Petry, eine Überraschung aus dem Hut: Sie verzichtet auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl im Herbst. Petry ist das bekannteste Gesicht der rechtskonservativen Partei, in der seit Monaten Flügelkämpfe zwischen dem rechtsnationalen und dem liberalkonservativen Flügel toben. Petry wollte der AfD auf dem Parteitag an diesem Wochenende in Köln eine «realpolitische Strategie» verpassen. Die Partei solle gemässigt agieren, sich in der politischen Mitte positionieren und in ferner Zukunft Regierungsverantwortung übernehmen.

Es war ihre Kampfansage an den radikalen Flügel der Partei, der mitverantwortlich ist für den momentanen Sinkflug der AfD. Petrys strategiepolitisches Vorpreschen löste in der Parteispitze heftige Empörung aus. Empörung, die vor allem Ausdruck tiefer Antipathien in der Partei ist. Petry-Anhänger und ihre Gegner können sich nicht ausstehen. Um Sachpolitik geht es im Kern da schon lange nicht mehr. Petry stand vor dem Parteitag völlig isoliert da.

Indem sie nun auf die Spitzenkandidatur verzichtet, geht sie einer Niederlage aus dem Weg und löst die Frage nach dem richtigen Kurs von Personaldebatten. Damit erhöht sie die Chancen, dass die Delegierten ihre Strategie am Samstag doch noch absegnen. Es wäre für sie ein Erfolg gegen den radikalen Flügel.

Petrys Verzicht ist wohl nur ein vorübergehender Rückzug, um den Einfluss der Radikalen zu schmälern. Doch Petry pokert hoch. Die Taktik könnte auch fehlschlagen. Seite 9

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