PETER BRABECK: Der Überflieger hebt nochmals ab

Der ehemalige Nestlé-Chef ist nach überstandener Krebserkrankung voller Tatendrang: Er hat eine Airline gegründet und beteiligt sich an einer Uhrenfirma.

Merken
Drucken
Teilen

Als ob er nie genug bekommen könnte vom Gefühl des Abhebens: Peter Brabeck will nicht nur im übertragenen Sinn wissen, wie es sich anfühlt, sondern auch physisch. Und weil es der 72-jährige Österreicher nach seinem Abgang als Nestlé-Chef nicht bloss bei der Hobby-Fliegerei bewenden lassen will, hat er jüngst gleich seine eigene Airline gegründet. Deren sinniger Name: Brabair. Zu den Maschinen, die im Einsatz stehen werden, gehören gemäss «Handelszeitung» ein einmotoriger Hochdecker, ein Helikopter und bald auch ein Pilatus-PC-24-Jet.

Deutlich zu spüren: Nach den langen Jahren bei Nestlé, wo sich die Masseinheiten im Bereich der vielen Nullen bewegten, hat es Brabeck nun das Kleine und Feine angetan. Jedenfalls betätigt sich der Träger des Namens eines erloschenen österreichischen Adelsgeschlechts nicht nur in der Kleinfliegerei, sondern auch im Uhrengeschäft. Zusammen mit einem Partner besitzt er die Wiener Uhrenmanufaktur Carl Suchy & Söhne – sie ist die älteste Uhrenmarke Österreichs und war Hoflieferantin der kaiserlichen Dynastie. Das ist die Liga von Brabeck.

Dass es so weit gekommen ist, war zu Beginn der Karriere des in Wien ausgebildeten Ökonomen zwar nicht auszuschliessen, aber auch keine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht, dass der Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich sein Glück erstens in der Schweiz und zweitens bei einem einzigen Unternehmen machen würde.

Fast vier Jahrzehnte war Brabeck bei Nestlé – zuerst als Spezialist für neue Produkte, später als Vorsitzender der Konzernleitung und von 2005 bis 2017 als Präsident des Verwaltungsrates. Schlecht ging es dem Nahrungsmittelriesen dabei nicht, im Gegenteil. Darben musste aber auch Brabeck nicht. Die Aktienpakete, die Bestandteil seines Lohns waren, haben ihn reich gemacht. So wohlhabend jedenfalls, dass das Familienvermögen von Sohn Andres verwaltet wird, der sich neben Fliegern und Uhren auch um Immobilien und eine Störzucht kümmert.

Doch es gab nicht nur Big Business im Leben des Peter Brabeck. Am tiefsten blicken liess der Manager, als er 2015 an Krebs erkrankte und sich mit einem nicht zugelassenen Medikament behandeln liess. Er nahm die Herausforderung in Bergsteiger-Manier an. «Wichtig ist, daran zu glauben, dass man auf diesen Berg raufkommt», sagte er dem «Blick» damals. Und er schaffte es tatsächlich, die Krankheit zu besiegen – mit Hilfe eines Medikamentes, das die Marktzulassung zwar noch nicht hatte, aber hoch wirksam war.

Hoch wirksam war Brabeck auch bei Nestlé: «Unsere Aufgabe in den letzten 200 Jahren war, die Menschen mit den nötigen Kalorien zu versorgen.» Das hat das Unternehmen zweifellos geschafft, im Übermass sogar. Dass die Kalorien ungleich verteilt sind auf dieser Welt – dies zu ändern schaffte dagegen auch Brabeck nicht. Aber er ist schliesslich auch nicht der liebe Gott, sondern bloss ein ehemaliger Manager.

Balz Bruder