China lockt Afrika mit Milliardeninvestitionen

Mit einem Mega-Gipfel und Investitionen in Milliardenhöhe buhlt die Führung der Volksrepublik um Afrika. Die Regierungs- und Staatschefs sämtlicher 53 Länder folgen diesem Aufruf und sind nach Peking gereist.

Felix Lee, Peking
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Chinas-Präsident Xi Jinping (vorne) spricht in der Halle des Volkes (Bild: Madoka Ikegami / AP (Peking, 3. September 2018))

Chinas-Präsident Xi Jinping (vorne) spricht in der Halle des Volkes (Bild: Madoka Ikegami / AP (Peking, 3. September 2018))

Steht in Chinas Hauptstadt Peking ein Staatsbesuch an, lässt die Führung die Laternen entlang der Prachtallee Chang’An mit der Fahne des jeweiligen Herkunftslandes beflaggen. In diesen Tagen versinkt das Regierungsviertel geradezu in einem bunten Fahnenmeer. Der Grund: Gestern hat Chinas grosses Afrika-Forum begonnen. Die Staats- und Regierungschefs von insgesamt 53 afrikanischen Ländern sind nach Peking gereist.

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping kündigte in seiner Auftaktrede Investitionen in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung in Afrika an. Im Paket seien 15 Milliarden Dollar als «Hilfen und zinslose Kredite» vorgesehen. Die Investitionen seien für die kommenden drei Jahre geplant. Auch sollen einige Länder von ausstehenden Schulden befreit werden. «Wir heissen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung willkommen», begrüsste Xi die anwesenden Gäste in der Grossen Halle des Volkes.

Handelsvolumen hat sich verzwanzigfacht

Zuvor hatte er laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua ein «gewaltiges Infrastrukturprojekt für Afrika» angekündigt, das den Kontinent mit China verbinden soll. In einigen chinesischen Medien ist sogar von Investitionen in Höhe von über eine Billion Dollar die Rede, die China im Rahmen seiner Neuen Seidenstrasse in den nächsten Jahren in Afrika inves­tieren wolle. Xi sprach von einer «Win-win-Situation für alle».

Schon jetzt ist China grösster Investor in Afrika. War der Kontinent für die Chinesen in den Nuller Jahren vor allem eine Quelle für Rohstoffe, hat sich die Handelsbilanz inzwischen umgekehrt. Das heisst: In die meisten dieser Länder exportiert China mehr als es importiert. Afrika ist für China damit zu einem wichtigen Absatzmarkt geworden. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden Dollar hat China sowohl die USA als auch die EU überholt. In nur 17 Jahren hat sich Chinas Handelsvolumen mit Afrika damit mehr als verzwanzigfacht.

Zugleich haben auch Chinas Direktinvestitionen massiv zugenommen. Fast täglich macht das Reich der Mitte mit einer neuen Grossinvestition von sich reden: Chinesische Unternehmen bauen quer durch den Kontinent Strassen, Schienen und Stromleitungen. Flughäfen, Kraftwerke, Fussballstadien, Regierungsgebäude, ja ganze Städte werden mit chinesischen Geldern errichtet. Mit Nova Cidade de Kilamba soll in Angola eine fast neun Quadratkilometer grosse Stadt entstehen. Mehr als 10000 chinesischen Unternehmen sollen es laut der Unternehmensberatung McKinsey sein, die in Afrika investiert haben.

Zwar gibt es immer wieder Kritik am Gebaren der chinesischen Unternehmer. Sie würden fundamentale Arbeitsrechte nicht einhalten. Zudem mehren sich Stimmen, die davor warnen, Chinas Freigiebigkeit könnte Länder in eine Schuldenfalle treiben und sie damit von Peking ­abhängig machen. In Dschibuti etwa, am strategisch wichtigen Horn von Afrika, machen chinesische Kredite fast 80 Prozent der Schuldenlast aus. Sambia, Angola und Kongo stehen in ähnlichem Ausmass bei China in der Kreide. Dennoch scheint eine Mehrheit der Afrikaner Chinas Engagement zu begrüssen. Einer Umfrage von Afrobarometer zufolge beurteilen zwei Drittel der Menschen in 36 afrikanischen Ländern das Verhalten der Chinesen als «gut».

Europäer ziehen auf bescheidenem Niveau nach

Angesichts der vielen Kriege, der Armut und des korrupten Regimes in Afrika hatten Europa und die USA den Kontinent noch in den neunziger Jahren als hoffnungslosen Fall abgetan. Die Bezeichnung von «the lost continent» machte im Westen die Runde. Chinas Investitionen scheinen nun aber auch das Interesse der europäischen Regierungschefs an dem südlichen Nachbarkontinent geweckt zu haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Grossbritanniens Regierungschefin Theresa May bereisten vergangene Woche fast zeitgleich jeweils drei afrikanische Länder.

Deutschlands Engagement hat auch schon erheblich zugenommen. Die deutschen Investitionen stiegen 2016 um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und betrugen 10,5 Milliarden Euro. Sie machen dennoch nicht einmal einen Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen aus. Dabei verzeichnen die meisten grossen afrikanischen Volkswirtschaften schon seit Jahren hohe Wachstumsraten. Sie liegen in Ländern wie Nigeria, Kenia und Äthiopien jährlich zwischen sechs und acht Prozent.

Hinzu kommt ein rasanter Anstieg der Bevölkerung. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Einwohner auf 2,5 Milliarden Menschen mehr als verdoppelt haben. Ein Viertel der Weltbevölkerung wird dann auf dem afrikanischen Kontinent leben.