Pariser Elite als Kriegsgewinnler?

Paris. «Bon appétit!» wünscht das Magazin «Canard Enchainé» seinen Lesern beim «Genuss der widerlichen Suppe – einem üblen Gemisch aus Erdöl, Schmiergeld, Waffenhandel und dem Blut Tausender Bürgerkriegsopfer in Angola.

René Brunner
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Paris. «Bon appétit!» wünscht das Magazin «Canard Enchainé» seinen Lesern beim «Genuss der widerlichen Suppe – einem üblen Gemisch aus Erdöl, Schmiergeld, Waffenhandel und dem Blut Tausender Bürgerkriegsopfer in Angola.» Mit 41 weiteren Prominenten steht auch Jean-Christophe Mitterrand, der Sohn des früheren sozialistischen Präsidenten François Mitterrand, vor Gericht.

Auf dem Rücken der Angolaner

Für skrupellose Waffenhändler war der Bürgerkrieg in Angola, dem westafrikanischen Land mit den zweitgrössten Erdölreserven des Planeten und seinen immensen Diamant-Minen, ein gefundenes Fressen. Auf dem Rücken des geschundenen Volkes erwirtschafteten sich Kriegsgewinnler Millionenvermögen. Zwischen 500 000 und 800 000 Angolaner starben jedoch in dem Konflikt. Mehr als eine Million Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. 17 Millionen Personenminen machten Tausende von Kindern zu Krüppeln.

«Politiker, die wegschauten»

Die eigentlichen «Händler des Todes, der französische Geschäftsmann Pierre Falcone und der Russe Arkadi Gaydamak, sind jedoch durch die Maschen der Justiz geschlüpft. Sie sollen zwischen 1993 und 1998 Waffen aus dem Arsenal der einstigen Roten Armee in der Höhe von mindestens 800 Millionen Dollar an die Kriegsparteien verkauft haben, obwohl Angola offiziell unter UNO-Embargo stand.

Die Waffengeschäfte sollen in Paris auf höchster Ebene vereinbart worden sein und hätten der Zustimmung der französischen Behörden bedurft. Deshalb haben sich die mutmasslichen Profiteure zu verantworten, «Politiker die wegschauten und kassierten», wie die linksgerichtete «Libération» schreibt. Auf der Anklagebank sitzen der frühere Innenminister Charles Pasqua und sein einstiger Berater, Ex-Präfekt Jean-Charles Marchiani, der wegen einer anderen Korruptionsaffäre bereits im Gefängnis sitzt. Sie sollen von Falcone Kommissionen aus den Waffendeals erhalten haben zur Finanzierung ihrer Politik.

Mitgemischt hat laut Anklage auch Jean-Christophe Mitterrand, der während Jahren seinem Vater, Präsident François Mitterrand, als Afrika-Spezialist zur Seite stand. Er vermittelte die «Connections» in Angola und steht wegen Beihilfe zu unerlaubten Waffengeschäften unter Anklage. Zwei Milliardäre, ein General, ein früherer Abgeordneter, Mitterrands Präsidentenberater Jacques Attali, der Bestsellerautor Paul-Loup Sulitzer und zwei Dutzend Personen aus dem Pariser Establishment gehören ebenfalls zu den Profiteuren, denen Strafen bis zu fünf Jahren Gefängnis drohen. Den Ermittlungen zufolge sollen mindestens 43 Millionen Dollar Bestechungsgelder nach Frankreich geflossen sein.

Platzt der Prozess?

Es ist jedoch möglich, dass der Prozess platzt: Angola hat offiziell Rekurs eingereicht, weil das verfahren seine Souveränitätsrechte verletzte. Angolas Präsident Dos Santos war Chef der siegreichen Bürgerkriegspartei und hat kein Interesse, dass seine damaligen Machenschaften ans Tageslicht gezerrt werden. Paris wiederum ist an guten Beziehungen mit dem Erdölland interessiert und will vermeiden, dass die schmutzige Wäsche der Afrika-Geheimdiplomatie aus der Mitterrand-Epoche den interessanten Handelspartner indigniert.

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