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Paris atmet Blei vom Notre-Dame-Dach – doch nicht mehr lange

500 Tonnen Schwermetallpartikel wurden beim Brand im April freigesetzt. Die Sorge in der Bevölkerung ist gross.
Stefan Brändle aus Paris
Ein Reinigungsarbeiter versprüht Dekontaminierungsmittel in der St.-Benoit-Primarschule in Paris. (Bild: Christophe Tesson (8. August 2019))

Ein Reinigungsarbeiter versprüht Dekontaminierungsmittel in der St.-Benoit-Primarschule in Paris. (Bild: Christophe Tesson (8. August 2019))

Weder Astronauten noch Schutzengel, sondern ganz irdische Wesen waren es, die am Mittwoch in weissen Schutzanzügen auf der Pariser Stadtinsel Île de la Cité aufzogen. Die Angestellten einer Reinigungsfirma versprühten ein Gel, um die bei dem Dachbrand der Notre-Dame-Kathedrale freigesetzten Bleipartikel zu binden. Auf dem Kopfsteinpflaster wurde die blaue Masse sogleich wieder aufgesaugt, auf Parkbänken und an Kandelabern bleibt sie drei Tage liegen.

Die Stadtpräfektur hat das Reinigungsverfahren angeordnet, um der Kritik aus der Bevölkerung zu begegnen. Hintergrund der Putzaktion: Das Bleidach der Basilika war beim Brand im April geschmolzen und hatte sich in Partikel aufgelöst. Im Mai schlug ein Anwohner Alarm, als im Blut seines Kindes erhöhte Bleiwerte festgestellt wurden. Die Behörden empfahlen Blutproben, unternahmen aber wenig. Die Räumungsarbeiter setzten ihre Arbeit ohne Schutzmasken fort.

Erst im Juni teilte die Arbeitsinspektion mit, die Bleigrenzwerte würden auf der Baustelle bis zu 421-mal überschritten. Erboste Anwohner erkundigten sich, wie hoch die Bleikonzentration sein müsse, bis das Schwermetall das Nervensystem angreife. Die Umweltorganisation Robin des Bois reichte Klage gegen die Regierung wegen Personengefährdung ein. «Während zweier Wochen hatten sich die 500 Tonnen Blei für die Behörden in Luft aufgelöst, weil sie den Eingang der Geldspenden nicht gefährden wollten», meinte Jacky Bonnemains von Robin des Bois. Viele Franzosen fühlten sich an die Katastrophe von Tschernobyl erinnert, als die Behörden in Paris verkündet hatten, die radioaktive Wolke habe an der Grenze Frankreichs haltgemacht.

Gewächshaus auf dem Kirchendach?

Der Vergleich mit Tschernobyl ist übertrieben. Immerhin werden in Paris etliche Schulen dekontaminiert. Die Räumungsarbeiter in der Kathedrale erhalten Schutzmasken, wenn sie nächste Woche nach dem zweiwöchigen Unterbruch wieder anfangen, die Schutthalden im Kirchenschiff abzutragen. Ganz ungefährlich ist das nicht. Wie das französische Kulturministerium gestern mitgeteilt hat, ist die Kirche noch immer einsturzgefährdet.

Der Unterbruch gefährdete den Zeitplan, den sich Präsident Emmanuel Macron vorgenommen hat: Notre-Dame soll bis zu den Olympischen Spielen von Paris im Jahr 2024 wieder eröffnet werden. Der Wiederaufbau kann aber laut Architekt Philippe Villeneuve erst im Herbst 2020 beginnen.

Das neue Erscheinungsbild steht noch nicht fest. Den Ausschlag wird Macron selbst geben. Er hat die Wahl zwischen originellen Vorschlägen wie Gewächshaus, Schwimmbad oder einem Glasturm auf dem Kirchendach oder einer originalgetreuen Rekonstruktion.

Ungeklärt ist auch die Finanzierung. Von den 900 Millionen Euro an Spendenversprechen sind erst zehn Prozent eingetroffen. Die grössten Beiträge, darunter je 100 und 200 Millionen von zwei Milliardären, sind aber fest zugesagt. Kleinere Geldspenden können seit Juli zu 75 Prozent von den Steuern abgesetzt werden.

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