Papst will Haltung ändern

Am Sonntag beginnt im Vatikan die ausserordentliche Synode zur Familienpastoral. Papst Franziskus will wiederverheiratete Gläubige unterstützen, ohne die Lehre in Frage zu stellen.

Dominik Straub
Merken
Drucken
Teilen
Papst Franziskus grüsst während einer Audienz auf dem Petersplatz die versammelten Gläubigen. (Bild: epa/Osservatore Romano)

Papst Franziskus grüsst während einer Audienz auf dem Petersplatz die versammelten Gläubigen. (Bild: epa/Osservatore Romano)

ROM. Die Stimmung im Vatikan im Vorfeld der Synode ist nicht die beste. Gegen die vom Papst angeblich angestrebte Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion wird schweres Geschütz aufgefahren. Fünf Kardinäle, unter ihnen der deutsche Kardinal Gerhard Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, sprechen sich in einem Buch gegen jede Öffnung aus.

In der am Sonntag beginnenden ausserordentlichen Synode zum Thema Familienseelsorge werden Themen behandelt, die seit Jahren hitzige Diskussionen auslösen und die innerhalb der katholischen Kirche längst zu einer Art Demarkationslinie zwischen Traditionalisten und Reformern geworden sind: die Unauflöslichkeit der Ehe (und damit das Verbot einer erneuten Heirat), Verhütung, Abtreibung, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, wilde Ehen – und die Behandlung der Kinder, die aus derartigen «sündigen» Beziehungen entstehen.

Kein Selbstbedienungsladen

«Die Familiensynode wird die katholische Lehre nicht verändern, darum geht es gar nicht», betonte dieser Tage der Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie, Erzbischof Vincenzo Paglia, gegenüber Radio Vatikan. Es gehe vielmehr darum, den Fortbestand der Familie zu sichern: «Bisher war es so, dass jeder automatisch davon ausging, dass die Familie für die Gesellschaft wichtig ist. Jeder wusste, dass Familie vor allem drei Dinge bedeutet: Ehe, Zusammenleben, Kinder. Es ging um ein Wir. Heute geht oft nicht mehr um das Wir, sondern um das Ich. Familie wird also nur noch als Ort der Selbstverwirklichung gesehen.»

Gegen diese Verschiebung im Familienbild wehre sich die katholische Kirche vehement, betonte Paglia. Die Familie könne «nicht als Selbstbedienungsladen» betrachtet werden. Papst Franziskus wolle nicht die Lehre, sondern vielmehr die Einstellung der Gläubigen ändern: «Er will, dass alle sich dazu berufen fühlen, füreinander da zu sein und denen beizustehen, die der Hilfe bedürfen – und die Familie braucht heute die Unterstützung aller.»

Haltung der Priester ändern

Der Papst will aber nicht nur die Einstellung der Gläubigen, sondern auch diejenige ihrer Priester und Seelsorger ändern. Angesichts der schwierigen Situationen, in denen sich viele Familien und Eheleute heute befänden, könne es die Kirche nicht mit dem Wiederholen der alten Regeln bewenden lassen. «Die Synodenväter müssen sich alle möglichen Situationen vor Augen halten, in denen sich Familien heute befinden, und dann dementsprechend handeln.» Neben dem Drama der Scheidung gebe es eine wachsende Zahl von Ehen ohne Trauschein, alleinerziehender, auch jugendlicher Mütter, gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit Kinderwunsch.

Die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen wird an der Synode nur ein Thema von vielen sein. Dem Papst ist es wichtig, dass sich kein Gläubiger ausgeschlossen fühlen muss – und das muss nicht automatisch bedeuten, dass Grundsätze wie jener der Unauflöslichkeit der Ehe aufgegeben werden. Im Arbeitspapier werden diverse Lösungen für den Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen skizziert. Unter anderem könnten die Regeln für die Ungültigkeitserklärung einer Ehe durch Kirchengerichte gelockert und bürokratische Hindernisse für diese Verfahren aus dem Weg geräumt werden. Gleichzeitig wird aber davor gewarnt, sich Hoffnungen auf eine «katholische Scheidung» zu machen.

«Berufung zur Liebe»

Der Schlüssel zur Synode findet sich in dem Kapitel des Arbeitspapiers, das die pastoral schwierigen Situationen behandelt: «Die Kirche ist berufen, immer das offene Haus des Vaters zu sein, das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben», heisst es. Die «echte pastorale Dringlichkeit» bestehe darin, diesen Menschen zu ermöglichen, ihre Wunden zu pflegen, gesund zu werden und sich gemeinsam mit der ganzen Kirche wieder auf den Weg zu machen. «Die Sendung der Familienseelsorge, die sich nicht mit einem legalistischen Blick begnügen darf, besteht darin, daran zu erinnern, dass die Berufung des Menschen jene zur Liebe ist.»