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Papst Franziskus verspricht Härte

Zum Abschluss der Missbrauchskonferenz im Vatikan hat Papst Franziskus ein hartes Durchgreifen gegen sexuellen Missbrauch und ein Ende der Vertuschung versprochen. Bei konkreten Massnahmen blieb er vage.
Dominik Straub, Rom
Papst Franziskus gestern bei einer Messe im Rahmen der Missbrauchskonferenz. (Bild: Giuseppe Lami/EPA (Rom))

Papst Franziskus gestern bei einer Messe im Rahmen der Missbrauchskonferenz. (Bild: Giuseppe Lami/EPA (Rom))

In einer Grundsatzrede zum Abschluss des Treffens im Vatikan hat Papst Franziskus die «absolute Entschlossenheit» bekräftigt, mit der die Kirche darangehen werde, sich dem Phänomen des sexuellen Missbrauchs zu stellen und Täter in ihren Reihen zur Rechenschaft zu ziehen. Kein Missbrauch dürfe jemals wieder «vertuscht oder unterbewertet» werden, «so wie es in der Vergangenheit üblich war», betonte der Papst. Die Kirche werde keine Mühen scheuen, «alles Notwendige zu tun, um jeden, der solche Verbrechen begangen hat, der Justiz zu unterstellen». Den Opfern von Missbrauch sei dabei in jeder Hinsicht Vorrang einzuräumen und zu helfen.

Das Übel des Missbrauchs, das der Papst in seiner Rede mit Menschenopfern verglich, berühre das «Herzstück der kirchlichen Mission»: den Kleinen das Evangelium zu verkünden und sie «vor den reissenden Wölfen zu schützen». Der Umstand, dass sexueller Missbrauch nicht auf die katholische Kirche beschränkt sei und ein «übergreifendes Problem» darstelle, schmälere nicht seine «Abscheulichkeit innerhalb der Kirche». Die Unmenschlichkeit dieses Phänomens werde in der Kirche noch skandalöser, weil es im Gegensatz zu ihrer moralischen Autorität stehe.

190 Teilnehmer bleiben Beschlüsse schuldig

Bloss: Konkrete Schritte, wie die versprochene «Nulltoleranz» gegen sexuellen Missbrauch umgesetzt werden soll, hat der Papst in seiner Rede kaum aufgezeigt – obwohl er solche zum Auftakt des Treffens noch selber angemahnt hatte. Während der viertägigen Konferenz gab es zwar viele Schuldeingeständnisse; es stehen viele Ideen und Vorschläge im Raum. Doch Beschlüsse konnten die 190 Teilnehmer der Konferenz nicht fassen. Immerhin sei ein vorläufiges «Praxishandbuch» mit Fragen und Antworten zu Stande gebracht worden, erklärte der maltesische Erzbischof Charles Scicluna, der für den Vatikan in Missbrauchsfällen ermittelt. «Die Bischöfe möchten wissen, was im Falle einer Anklage oder Anzeige zu tun ist.»

Die Missbrauchskonferenz war ein bisher einmaliges Treffen. Papst Franziskus hatte sie ein­berufen – unter dem Eindruck von neuen Skandalen in Chile und in den USA, die sich zu unzähli­gen bereits aufgedeckten Miss­brauchs­taten gesellten, die auf dem ganzen Globus schon früher aufgeflogen waren. Franziskus wusste, dass der flächendeckende, systematische Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester sowie die systematische Vertuschung der Verbrechen in den Diözesen und durch den Vatikan die Glaubwürdigkeit der von ihm geleiteten Kirche in ihren Grundfesten erschütterte – und sein eigenes Pontifikat mit dazu.

Um den Missbrauch und dessen Vertuschung zu bekämpfen, haben die Präsidenten der weltweit 114 Bischofskonferenzen, Vertreter der Ordensgemeinschaften, Kurienmitarbeiter und diverse Experten im Lauf der Konferenz zahlreiche Vorschläge auf den Tisch gelegt. Ein zentrales Anliegen der Teilnehmer war das «Zuhören». Gefordert wurden aber auch konkrete Massnahmen und Reformen in der Kirchenverwaltung und des Kirchenrechts. Ein Vorschlag betrifft die Schaffung von Anlaufstellen für Opfer in jeder Diözese, wo die Verbrechen gemeldet werden können.

Der Präsident der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, forderte Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der kirchlichen Verwaltung sowie eine Reform der kanonischen Prozesse. «Die Kirche darf nicht unterhalb der Qualitätsstandards der öffentlichen Rechtspflege arbeiten», betonte der Erzbischof von München und Freising am Samstag. Alles andere wäre «Willkür» und würde Verschwörungstheorien Vorschub leisten.

Der maltesische Erzbischof Charles Scicluna, der in der Glaubenskongregation für die Strafverfolgung von sexuellem Missbrauch verantwortlich ist, wagte sich an ein anderes Tabu: Er forderte die Bischöfe auf, «gewissenhaft» die ihnen zur Kenntnis kommenden Missbrauchsfälle anzuzeigen. Genau dies wird heute in vielen Diözesen noch unterlassen. Mehr noch: Oft mauern die Bischöfe oder auch die vatikanischen Behörden, wenn sie von der zivilen Justiz um Akteneinsicht gebeten werden.

Opfervertreter schwer enttäuscht

Opfervertreter zeigten sich gestern enttäuscht über den Ausgang der Konferenz. «Die Rede des Papstes ist der schamlose Versuch, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, ohne sich der Schuld und dem Versagen zu stellen und wirkliche Veränderung anzugehen», twitterte Matthias Katsch vom deutschen Opferschutzverband Eckiger Tisch nach der gestrigen Abschlussrede. Die Spitze des Vatikans weigere sich, klare Richtlinien und Vorgaben für die Weltkirche zu machen.

Für Thomas Schüller, Direktor am Institut für Kanonisches Recht an der Universität Münster, war die Abschlussrede von Papst Franziskus geradezu ein «Fiasko». Die Rede sei «das Ende des Pontifikats in dem Sinne, dass Franziskus nicht als Reformpapst in die Geschichte eingehen wird, sondern als Bewahrer», betonte Schüller.

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