Papst lässt sich nicht einschüchtern

Heute reist Papst Franziskus erstmals nach Afrika. Der französische Geheimdienst hat den Vatikan mehrfach vor möglichen islamistischen Anschlägen gewarnt – doch der Pontifex hält an der Reise fest.

Dominik Straub
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Papst Franziskus Katholisches Kirchenoberhaupt (Bild: ap)

Papst Franziskus Katholisches Kirchenoberhaupt (Bild: ap)

ROM. Papst Franziskus wird heute abend in Nairobi, der Hauptstadt des ostafrikanischen Landes Kenia, landen und damit erstmals in seiner Amtszeit afrikanischen Boden betreten. Die weiteren Stationen der sechstägigen Reise sind Uganda und die Zentralafrikanische Republik.

«Hochgradig unsicheres Land»

Vor allem die letzte Station bereitet den Sicherheitsverantwortlichen des Vatikans ernste Sorgen: In dem Land tobt ein bewaffneter Konflikt zwischen islamistischen Rebellen und christlichen Milizen. Tausende Menschen sind bei Zusammenstössen der verfeindeten Lager schon ums Leben gekommen, Hunderttausende befinden sich auf der Flucht.

Laut italienischen Medienberichten hat der französische Geheimdienst den Vatikan mehrfach vor möglichen Anschlägen gegen das katholische Kirchenoberhaupt gewarnt. Die Zentralafrikanische Republik, einst eine französische Kolonie, sei ein «hochgradig unsicheres Land», und es bestehe ein «nicht irrelevantes Risiko, dass es während einer der zahlreichen päpstlichen Zeremonien zu einem Attentat kommen könnte», heisst es in den vom Vatikan nicht bestätigten Warnungen aus Paris.

Moschee und Flüchtlingslager

Als besonders gefährdet gilt der am kommenden Montag geplante Besuch der Moschee in der zentralafrikanischen Stadt Koudoukou – ein Schritt, mit dem Franziskus ein Zeichen gegen Terror und für religiösen Dialog setzen will, der aber von islamistischen Kämpfern als Provokation empfunden werden könnte. Bezüglich Sicherheit ebenfalls problematisch ist der vom Papst geplante Besuch eines Flüchtlingslagers. Der französische Geheimdienst hat anscheinend nicht nur vor einem direkten Anschlag gegen den Papst gewarnt, sondern auch auf die Gefahr hingewiesen, dass Attentäter ein Blutbad unter den Hunderttausenden Gläubigen anrichten könnten, die auf der ganzen Afrikareise zu den Papstmessen erwartet werden.

Kleine Änderungen möglich

Falls die Sicherheit der anwesenden Menschen oder der UNO-Blauhelme gefährdet sein sollte, könnte es noch zu kleineren Änderungen des Programms kommen, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi schon vergangene Woche. Ansonsten zeigt sich der Papst aber gänzlich unbeeindruckt von den Gefahren. Diese seien von Anfang an bekannt gewesen, und die Terrorattacken von Paris hätten «nicht sonderlich viel an den Plänen der jetzigen Reise geändert», sagte Lombardi. «Der Papst ist nicht besonders um seine Sicherheit besorgt.» Zum Schrecken seiner Personenschützer will Franziskus auch in Zentralafrika am traditionellen Bad in der Menge im offenen Papamobil festhalten.

180 Millionen Katholiken

Für den 78jährigen Papst aus Südamerika, der die katholische Kirche in eine «Kirche der Armen für die Armen» umformen will, hat sein erster Besuch im Krisenkontinent Afrika einen hohen Stellenwert. Schon am Freitag wird er in Nairobi das Elendsviertel Kangemi besuchen – «eine Geste, mit der Franziskus angesichts all der Armut und Unsicherheit seine Nähe zur Bevölkerung demonstriert», sagte der vatikanische Staatssekretär Pietro Parolin. In Afrika leben rund 180 Millionen Katholiken – Tendenz steigend.