Papst hat Rahmen abgesteckt

Im Vatikan hat die mit Spannung erwartete Synode zum Thema Familienseelsorge begonnen. Papst Franziskus legte zum Auftakt ein klares Bekenntnis zur Unauflösbarkeit der Ehe ab.

Dominik Straub
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ROM. «Für Gott ist die Ehe keine Utopie der Jugend, sondern ein Traum, ohne den seine Geschöpfe zur Einsamkeit bestimmt sind», sagte Papst Franziskus gestern im Römer Petersdom in der Messe, mit der er die Bischofssynode eröffnete. Er zitierte ausserdem die im Markus-Evangelium zitierten Worte von Jesus, wonach der Mensch nicht trennen dürfe, was Gott verbunden habe. Mit diesem unmissverständlichen Bekenntnis zur Unauflösbarkeit der Ehe steckte der Pontifex aus Argentinien den Rahmen ab, in welchem sich die Reformen bewegen werden, die an der Welt-Bischofsversammlung erörtert werden.

Ein tiefer Graben

Die Synode ist, wie schon jene vom vergangenen Oktober, dem Thema Familie gewidmet. Nirgendwo sonst öffnet sich zwischen der katholischen Lehre und der Lebenswirklichkeit von Millionen Gläubigen ein grösserer Graben. Ein zentrales Thema an der bis zum 25. Oktober dauernden Versammlung wird der Umgang der Kirche mit den zahlreichen Partnerschaftsformen darstellen, die von der traditionellen Ehe abweichen. Besonders hitzig dürften die Diskussionen ausfallen, wenn es um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten oder um den Umgang mit homosexuellen Paaren geht.

Der Vertreter der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Jean-Marie Lovey von Sitten, betonte gestern an einem Mediengespräch in Rom, dass die wiederverheirateten Geschiedenen und homosexuelle Paare für viele Priester in der Schweiz und in ganz Westeuropa ein «echtes pastorales Problem» darstellten und dass Lösungen gesucht werden müssten. Dabei sollten aber nicht nur gesellschaftliche Realitäten berücksichtigt werden, sondern es müssten auch theologische und biblische Argumente und Aspekte einbezogen werden. «Die Herausforderung an der Synode wird darin bestehen, die beiden Sichtweisen zusammenzufügen», erklärte Lovey.

Nicht nur Sünder verurteilen

Bezüglich des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit homosexuellen Paaren gehen die Meinungen der katholischen Gläubigen auch in der Schweiz auseinander. Der Bischof von Sitten wollte sich nicht auf eine bestimmte Position festlegen lassen und betonte, dass die Vertreter der Landesbischofskonferenzen an der Synode nicht wie Parlamentarier einfach die Meinung einer Partei, sondern diejenige aller Gläubigen vertreten müssten. Am Ende sei es ohnehin der Papst, der entscheiden werde, ob und welche Reform er veranlassen wolle. Franziskus hat seit seiner Wahl zum Papst schon mehrfach betont, dass sich die Kirche nicht darauf beschränken dürfe, Sünder zu verurteilen. In seiner gestrigen Messe im Petersdom warnte er einmal mehr vor einer «Kirche mit verschlossenen Türen», die sich selbst verrate.

Aufsehen erregte am Wochenende in Rom das Comingout des polnischen Priesters und Kurienmitarbeiters Krzysztof Charamsa: Der 43jährige langjährige Beamte der Glaubenskongregation und Dozent an zwei päpstlichen Universitäten forderte die Kirche in einem Interview mit dem «Corriere della Sera» auf, nicht länger die Augen vor den Nöten homosexueller Gläubiger zu verschliessen. Anschliessend trat er mit seinem Lebensgefährten vor die Presse. Der Vatikan hat sofort angekündigt, dass Charamsa alle seine römischen Ämter verlieren werde.

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