Palin: «Wenn nötig, Krieg gegen Russland»

FAIRBANKS. Tagelang haben John McCains aussenpolitische Experten versucht, Sarah Palin für ihr erstes Fernsehinterview fit zu machen. Dennoch offenbarte die 44jährige Vizepräsidentschaftskandidatin im Wissen um die Weltpolitik vor allem Lücken.

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Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin. (Bild: Keystone)

Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin. (Bild: Keystone)

«ABC»-Moderator Charles Gibson wartete nach der dritten Nachfrage ungeduldig wie ein Lehrer darauf, dass die «Schülerin» endlich eine Antwort gibt. «Stimmen Sie mit der Bush-Doktrin überein?» Die sonst vor Selbstbewusstsein strotzende Gouverneurin Alaskas schindet Zeit. «Inwiefern, Charlie?» Der lehnt es ab, ihr die Definition zu liefern. «Wie ist Ihre Interpretation?», hakt er nach. «Seiner Weltsicht?» entgegnet Palin. «Nein, der Bush-Doktrin, die im September 2002 vor dem Irak-Krieg formuliert wurde!»

USA sollen Georgien verteidigen

Bei anderen Fragen schimmerte durch, wer die Kandidatin vorbereitet hatte – McCains aussenpolitischer Chef-Berater Randy Scheuneman, der bis April 2008 noch als Lobbyist für die Regierung in Georgien tätig war. Sie sei für die Aufnahme des Kaukasus-Staates in die Nato, erklärt Palin. Falls Russland dann erneut in das Land einmarschiere, müssten die USA vorbereitet sein, den Verbündeten zu verteidigen.

Unerfahren, für Patzer anfällig

Ein Krieg gegen Russland, Zustimmung, wenn Israel entscheidet, Iran zu bombardieren, – Palins Antworten in dem ABC-Interview erklären, warum das Team McCains die Kandidatin bisher vollständig von der Presse abschottet hat.

Ihre Unerfahrenheit auf der Weltbühne macht Sarah Palin anfällig für Patzer. Wie bei der Verabschiedung ihres 19jährigen Sohnes Track, der mit seiner Brigade in den Irak geht. Die US-Truppen in Irak, sagte Palin, «verteidigen die Unschuldigen vor den Feinden, die den Tod Tausender Amerikaner geplant und ausgeführt haben». Eine Behauptung, die selbst Bush nicht mehr aufrechterhält. (T.S.)

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