Organisierte Volkseinheit

Der «Vater der Nation» lässt diese seine harte Hand spüren. Denn die wahren Adressaten der Schläge gegen Demonstranten und Oppositionskandidaten sind die Menschen, die Präsident Lukaschenko gewählt haben. Seht her – der Aufstand gegen mich lohnt nicht.

Drucken
Teilen

Der «Vater der Nation» lässt diese seine harte Hand spüren. Denn die wahren Adressaten der Schläge gegen Demonstranten und Oppositionskandidaten sind die Menschen, die Präsident Lukaschenko gewählt haben. Seht her – der Aufstand gegen mich lohnt nicht.

Auf den ersten Blick ein seltsames Präventivverhalten für einen Machthaber, der laut offiziellem Ergebnis fast 80 Prozent der Wahlberechtigten Weissrusslands hinter sich weiss. Es kontrastiert auch mit dem scheinbaren Selbstbewusstsein Lukaschenkos. Warnungen aus dem Westen, die Wahlen nicht zu manipulieren, konterte dieser mit der flapsigen Bemerkung: «Ihr könnt ja die Stimmen selber zählen.»

Tatsächlich hätte dies das Wahlergebnis wohl kaum verändert. Vielleicht betrüge die Mehrheit nicht 80, sondern lediglich 60 Prozent. Vor allem auf dem Lande hat das weissrussische Regime aber tatsächlich eine sichere Gefolgschaft. Und sei es nur mangels Kenntnis möglicher Alternativen, wird dort die garantierte soziale Sicherheit à la Sowjetunion geschätzt. Kein wirklicher Wohlstand, aber eben auch keine Existenzangst.

Da gibt es keine gegen Bares gekauften Stimmen. Der sichere Arbeitsplatz im Staatsbetrieb oder die subventionierte Wohnung ist der Lohn für das Kreuz an der richtigen Stelle des Wahlzettels. Die vorzeitige Stimmabgabe (und -zählung) garantiert dann, dass der Handel auch funktioniert.

Und nach dem Urnengang folgt die Härte, die sicherstellt, dass der «Vater» auch nach der Heimreise der internationalen Wahlbeobachter weiter ungestört schalten und walten kann. Denn er weiss wohl, dass die verordnete Einheit der Nation allein nicht tragfähig ist.

Walter Brehm

w.brehm@tagblatt.ch

Aktuelle Nachrichten