Orbáns Herausforderer

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Gergely Karácsony. (Bild: Georg Hochmuth/APA)

Gergely Karácsony. (Bild: Georg Hochmuth/APA)

Opposition Im Gespräch wirkt er smart, sympathisch und mit seinen 42 Jahren könnte er das Gesicht des Wandels in Ungarn sein. Aber Gergely Karácsony ist als Herausforderer des übermächtigen Premiers Viktor Orbán bei der Parlamentswahl am Sonntag wahrlich nicht zu beneiden. Im Wahlkampf hat ihn ­Orbán nie beim Namen erwähnt, er ­begnügt sich mit Pauschalattacken auf seine Gegner.

Gergely Karácsony. (Bild: Georg Hochmuth/APA)

Gergely Karácsony. (Bild: Georg Hochmuth/APA)

Karácsony schraubt seinen eigenen Anspruch freilich weit höher: «Viele Ungarn wollen eine Veränderung, und auf diese Wähler zähle ich.» Eine hohe Wahlbeteiligung könne Orbáns Fidesz die absolute Mehrheit kosten, hofft er. Letzte Umfragen sprechen aber eine andere Sprache. Demnach liegt das Linksbündnis weit abgeschlagen unter zehn Prozent der Stimmen an dritter Stelle hinter Orbáns Fidesz (32 Prozent) und der rechtsradikalen Jobbik-Partei (14).

«Karácsony ist zu weich für die Politik»

Gergely Karácsony, studierter Politologe und Soziologe, trägt den Makel, bloss ein Kompromisskandidat der Links­opposition zu sein. Er kam nur zum Zug, weil Lászlo Botka, der populäre Bürgermeister der südungarischen Stadt Szeged, nach innerparteilichen Querelen die Kandidatur für die postkommunistische MSZP geschmissen hat. Daraufhin schlossen die Sozialisten und Karácsonys grün-linke Kleinpartei «Dialog für Ungarn» (DK) ein Wahlbündnis.

Karácsony wurde schlagartig im Land bekannt, seit Wochen absolviert er einen Interview-Marathon. Aber er kann eigentlich nur verlieren. Denn die Linksopposition steckt seit Jahren in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise und wird als Alternative zu Orbán nicht wahrgenommen.

Ob Karácsony, der noch nicht abgebrüht wirkt und aussieht wie 30, den Wandel herbeiführt, bezweifeln nicht nur Wahlexperten wie Róbert László: «Fachlich wäre er als Regierungschef schon geeignet, aber ich fürchte, er ist für die Politik zu weich.»

Erfolgreiche Kandidatur als Bürgermeister

Karácsony, 1975 in Fehérgyarmat im äussersten Nordostwinkel Ungarns geboren, war nach einer Managerkarriere 2010 in die Politik eingestiegen, als er für die neue Ökopartei LMP den Wahlkampf managte und daraufhin in das Parlament einzog. 2014 verliess er die LMP wegen Differenzen und gründete die grün-liberale DK. Im gleichen Jahr trat er als Gemeinschaftskandidat eines Parteienbündnisses für die Bürger­meisterwahl im Budapester Stadtbezirk Zugló an und gewann. Mit sachlicher und engagierter Lokalpolitik erlangte er auch eine gewisse Popularität, die ihn für höhere Weihen empfahl. Gergely ­Karácsony ist verheiratet und hat einen Sohn. (rgw)