Ohrfeige für die früheren Kriegsherren

Zur Sache

Rudolf Gruber
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Seit der Unabhängigkeit 2008 war es eher ruhig im Kosovo. Doch bloss aus europäischer Sicht: Die Lage vor Ort blieb stets latent brisant. Die Folgen der Neuwahl vom Sonntag werden nun auch Europa wieder stärker beschäftigen. Denn die nächste Regierung steht für eine Radikalisierung der Politik aus Gründen des Machterhalts. Der innere Reformprozess und die politische Stabilität in der Region stehen auf dem Spiel. Die ehemaligen Rebellenführer, die seit Kriegsende 1999 den Kleinstaat dominieren, haben in der Bevölkerung massiv Vertrauen verloren, namentlich dasjenige der jungen Generation, die keine Jobs findet und ihre Zukunftsperspektive zunehmend schwinden sieht.

Die so genannten «Kriegsparteien» konnten nur noch mit Hilfe eines Koalitionsbündnisses gewinnen, alleine für sich wären sie Verlierer dieser Wahl gewesen. Stimmenstärkste Partei wurde die extrem nationalistische Bewegung «Selbst bestimmung», die eine Versöhnung mit Serbien ablehnt und grossalbanische Träume hegt. Dass deren Anführer Albin Kurti kaum Koalitions­partner gefunden hätte, ist nur ein schwacher Trost.

Auch rächt sich jetzt, dass die USA und die EU die Kriegsverbrechen der Rebellenbewegung UCK bisher weitgehend ignoriert haben. 1999 ging es nur darum, den Krieg mit Hilfe der Nato zu stoppen und die Region zu befrieden. Mit der Installierung eines Sondertribunals, das im Herbst diese Arbeit aufnehmen soll, will man das Versäumte nachholen. Doch dagegen wird sich die ehemalige UCK-Elite, die nahezu geschlossen auf der Anklagebank Platz nehmen müsste, zu wehren wissen. Seite 7