Ohne diesen Mittelständler gäbe es so schnell keinen Corona-Impfstoff

Die Firma Polymun aus Österreich spielt bei der Bekämpfung von Covid-19 eine entscheidende Rolle. Trotz des Erfolgs gibt sich der Chef bescheiden.

Rosa Schmitz aus Wien
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Der lang ersehnte Coronaimpfstoff der Pharma-Konzerne Biontech und Pfizer: Bei der Entwicklung spielt die kleine Firma Polymun eine wichtige Rolle.

Der lang ersehnte Coronaimpfstoff der Pharma-Konzerne Biontech und Pfizer: Bei der Entwicklung spielt die kleine Firma Polymun eine wichtige Rolle.

Biontech Se / Handout / EPA

Schon in wenigen Wochen soll es einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben. Das ist neben dem Pharma-Duo Biontech und Pfizer auch dem kleinen österreichischen Biotech-Unternehmen Polymun zu verdanken. Es hat nämlich die Verfahren entwickelt, die aus dem Wirkstoff gegen die Viren erst einen Impfstoff macht.

Es mag zunächst verwirrend klingen: Die deutschen Forscher der Firma Biontech haben herausgefunden, welcher Mix von Stoffen Coronaviren töten kann. Damit aus der Mixtur jedoch ein Impfstoff wird, der nicht rasch wieder in seine Bestandteile zerfällt und dann wirkungslos bleibt, muss etwas Wesentliches geschehen: Der Wirkstoff muss haltbar gemacht werden, damit er in grossem Massstab hergestellt und gelagert werden kann. Das dazu erforderliche Verfahren stellt Polymun zur Verfügung.

Geschäftsführer Dietmar Katinger sagt:

«Wir steuern Know-how aus zwei Bereichen bei, die bisher spezielle Nischen in der Forschung sind.»

Das sind biotechnologische Verfahren und sogenannte Liposomen, vereinfacht gesagt: Bläschen. Sie sind verantwortlich für den Erhalt und den Transport von Wirkstoffen.

Die Trump-Regierung hat sich 100 Millionen Dosen gesichert

Gleich vier Firmen und Institutionen, die an einem Wirkstoff gegen Covid-19 arbeiten, kooperieren mit Polymun. Ausser dem Duo Biontech und Pfizer sind das Curevac aus Deutschland, das Imperial College London und Arcturus Therapeutics aus Singapur. Die Stoffe all dieser Unternehmen werden bereits klinisch getestet. Biontech und Pfizer liegen im Rennen vorn.

Die EU hat sich in einem Rahmenvertrag mit Biontech und Pfizer bereits 300 Millionen Dosen aus Chargen des Impfstoffs gesichert. Einen genauen Preis für den Impfstoff gibt Biontech bislang nicht bekannt. Pfizer hat der US-Regierung aber bereits 100 Millionen Impfdosen zum Preis von je 19,50 US-Dollar zugesagt.

Bei der Massenproduktion braucht die Firma Hilfe

Das Familienunternehmen Polymun mit knapp 90 Mitarbeitern wurde 1992 von Hermann Katinger gegründet. Seit 2009 führt sein Sohn Dietmar die Geschäfte. Die Zusammenarbeit mit Bion­tech läuft seit 2018. «Einen ersten Vertrag haben wir im Februar vor zwei Jahren unterschrieben, mit ähnlichen Projekten wie jetzt auch», sagt Dietmar Katinger. «Sie kannten uns und unsere Arbeit also bereits.» Das Covid-Projekt ist im Februar dieses Jahres angelaufen. Seither verpackt Polymun das von Bion­tech gelieferte Erbgut in Bläschen. Ohne diese «Verpackung» würde sich die RNA in normaler Umgebung gleich wieder abbauen.

Die Mitarbeit an der Entwicklung des Impfstoffs zählt zu den grössten Erfolgen von Polymun. Gerade im Bereich Gesundheit geht es oftmals auch ums Prestige – Katinger dagegen drängt sich nicht gross in den Vordergrund. Sachlich resümiert er:

«Solche Entwicklungen sind immer Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit, es sind immer die verschiedensten Akteure involviert.»

Vor allem Biontech und Pfizer seien zu würdigen. Eher en passant und doch mit spürbarer Genugtuung notiert der Polymun-Chef:

«Wir haben, glaube ich, auch einiges zum Produkt beitragen können. Und wir haben wirklich sehr schnell gearbeitet.»

Ist der Impfstoff zugelassen, soll er millionenfach produziert werden. Diese Aufgabe wird das österreichische Unternehmen allerdings nicht allein stemmen können. Zwar wird es Produktionskapazitäten erheblich erhöhen. Doch damit wird der Bedarf nicht zu decken sein. Damit der Impfstoff vielerorts produziert werden kann, wird Polymun sein Know-how grosszügig teilen.