Ölstreit gelöst, Grenzkonflikt vertagt

Sudan und Südsudan haben sich im Ölkonflikt auf eine Pufferzone entlang der gemeinsamen Grenze geeinigt. Doch bei der Grenzziehung konnte keine Einigung erzielt werden.

Markus Symank
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KAIRO. Fünf Tage lang haben Sudans Omar al-Bashir und Südsudans Salva Kiir um ein Grenzabkommen gerungen. Mehrfach sollen dabei zwischen den beiden Staatsoberhäuptern die Fetzen geflogen sein, berichtet die Zeitung «Sudan Tribune». Im letzten Moment erzielten Bashir und Kiir dann doch noch eine Einigung: In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba verständigten sie sich auf eine entmilitarisierte Pufferzone entlang der gemeinsamen Grenze. Ein Abkommen, das gestern unterschrieben wurde, sieht vor, dass sich die Truppen beider Staaten je zehn Kilometer weit hinter die Grenze zurückziehen.

1800 Kilometer Grenze

Die auch mehr als ein Jahr nach der Abspaltung des Südens nicht exakt definierte 1800 Kilometer lange Grenze ist immer wieder Auslöser für Gefechte zwischen den beiden Staaten, die bis 2005 den längsten Bürgerkrieg des Kontinents mit zwei Millionen Toten ausfochten. Im April standen Khartum und Juba deshalb am Rande eines neuerlichen bewaffneten Konflikts: Nach einem Streit über Öl-Transitgebühren bombardierte der Norden Dörfer in der rohstoffreichen Region Südkordofan. Der Süden reagierte, indem er das auf dem Territorium des Nordens liegende Ölfeld Heglig an sich riss. Es dauerte Monate, bis die UNO und die Afrikanische Union die beiden Regierungen an den Verhandlungstisch zurückzubringen konnten.

Weg frei fürs Öl

Mehr noch als durch Druck von aussen sahen sich die Staatschefs aber durch interne Probleme zu einem Treffen gezwungen: Im Januar hatte die Regierung in Juba die gesamte Ölproduktion des Landes von 350 000 Barrel täglich gestoppt, nachdem sie sich mit Khartum nicht auf die Transportgebühren hatte einigen können. Seither steht in beiden Ländern die Wirtschaft mehr oder weniger still. Die Pipeline durch den Norden ist die wichtigste Lebensader Südsudans, dessen Einnahmen zu 98 Prozent vom schwarzen Gold abhängen.

Die Einigung auf eine Pufferzone macht nun den Weg frei für eine Wiederaufnahme der Ölexporte. Die entmilitarisierte Zone wird es den beiden Regierungen überdies erschweren, Rebellen auf dem Territorium des Gegners zu unterstützen. Erst letzte Woche hatte Salva Kiir Khartum erneut beschuldigt, eine Milizengruppe auf dem Gebiet des Südens mit Waffen zu versorgen. Sudan weist die Anschuldigung von sich.

Konfliktherd Abyei

Die dem Öl-Disput zugrunde liegenden Streitpunkte bestehen aber weiter. Entgegen den Forderungen der UNO haben es die beiden Staaten nicht vermocht, sich auf eine definitive Grenzziehung zu verständigen. Fünf Gebiete beanspruchen beide Seiten nach wie vor für sich, darunter die Region Abyei, in der gewaltige Ölvorkommen lagern. Derzeit sind 4200 äthiopische Friedenssoldaten in dem Grenzgebiet stationiert. Südsudan fordert, dass die Bewohner der Provinz in einer freien Abstimmung über ihr Schicksal entscheiden sollen. Der Norden lehnt dies jedoch ab.