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Obelix bei den Autokraten

Putin, Kim, bald Erdogan: Der französische Schauspieler Gérard Depardieu geht politisch fremd. Damit eckt er in Paris zunehmend an. Aber nicht nur.
Stefan Brändle, Paris
Gérard Depardieu, landestypisch eingekleidet, beim Besuch einer Farm im russischen Saransk. (Bild: Yuri Kozyrev/Noor (Saransk, 23. Februar 2013)

Gérard Depardieu, landestypisch eingekleidet, beim Besuch einer Farm im russischen Saransk. (Bild: Yuri Kozyrev/Noor (Saransk, 23. Februar 2013)

Die Obelix-Nase unter dem Strohhut liess keinen Zweifel zu: An der Truppenparade zum 70-jährigen Bestehen Nordkoreas vor ein paar Tagen sass auch Gérard Depardieu im Publikum. Frankreichs Schauspielmonument, das im Dezember selber 70 wird, war sichtlich guter Laune, animierte andere Gäste zum Applaudieren. Unweit davon konnte sich Staatschef Kim Jong-Un seinerseits freuen, dass aus dem Westen doch noch ein prominenter Name an die Zeremonie gekommen war.

In Paris hiess es hingegen, der berühmteste Schauspieler Frankreichs sei wieder einmal einem Despoten auf den Leim gegangen. Wie 2012, als er von Wladimir Putin die russische Staatsbürgerschaft angenommen habe. Oder wie in den Momenten, als er mit dem tschetschenischen Landesherrn Ramsan Kadyrow das Tanzbein schwang oder mit der Tochter des usbekischen Ex-Machthabers Islom Karimow im Karaoke-Duo sang.

Depardieu beantragt türkische Staatsbürgerschaft

Depardieu reagierte auf seine Weise auf solche Kommentare: Er erklärte, er beantrage nun auch die türkische Staatsbürgerschaft und werde zu dem Zweck im Oktober Präsident Recep Tayyip Erdogan besuchen.

In einem Interview mit der Zeitung «Nice-Matin» antwortete er diese Woche auf die Frage, was denn die von ihm frequentierten Herrscher wie Putin an sich hätten: «Putin ist, wie er ist, aber ich kann ihnen sagen, Macron ist auch wie Putin.» Damit wolle er ausdrücken, dass der französische Präsident auch nicht demokratischer sei als der russische, erklären Depardieu-Versteher in den französischen Internetforen.

Ein Diskussionsteilnehmer meinte gar, der Vergleich sei eine Beleidigung für Putin, der für sein Land mehr geleistet habe als Emmanuel Macron, der in Meinungsumfragen eingebrochen sei.

Die Fans des Schauspielers Depardieu, der 180 Filmrollen auf dem Zähler hat, fragen sich kopfschüttelnd: Wird ihr Idol langsam zum Bannerträger der Rechtspopulisten oder zumindest jener libertären Provokateure, die in Paris gerne die Grenzen der politischen Unkorrektheit ausreizen? Das ist wohl zu viel Ehre für den Charakterdarsteller von Cyrano de Bergerac, Danton oder dem Grafen von Monte-Christo.

Seine Flirts mit östlichen Hardlinern wirken politisch so unbedarft wie sein Umgang mit französischen Präsidenten. In Paris hatte er schon den Sozialisten François Mitterrand und dann den Konservativen Nicolas Sarkozy unterstützt. Mit François Hollande überwarf er sich im Jahr 2012 wegen einer 75-Prozent-Steuer für Millionäre. Dafür huldigte er Fidel Castro bei einem Treffen in Kuba für «50 Jahre politischer Intelligenz».

Ins Pariser Filmmilieu durchgeschlagen

«Gégé», wie ihn seine Landsleute nennen, bezeichnet sich selber stolz als Proletarier, auch wenn er heute mit Gagen, Filmproduktionen und Weinbergen hundertfach unter die besagte, nie verwirklichte Steuer fallen würde. Sein Vater, ein sprechgestörter Blechschmied, kaufte das kommunistische Parteiblatt «L’Humanité», auch wenn er es kaum zu lesen vermochte. Ihn und seine Mutter verliess Gérard schon im Alter von 13 Jahren. Mit Drogenberührung und gelegentlicher Stricherfahrung schlug er sich bis in das Pariser Filmmilieu durch, wo er Bürgerschreckfilme wie «Die Ausgebufften» drehte.

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