Obama stockt in Irak auf

Wenige Tage nach den US-Kongresswahlen verdoppelt Präsident Barack Obama die Zahl der Militärberater in Irak. Sie sollen helfen, eine Frühjahrsoffensive gegen den IS vorzubereiten.

Thomas Spang
Drucken
Teilen
US-Konteradmiral John Kirby erläutert die Strategie in Irak. (Bild: ap/Manuel Balce Ceneta)

US-Konteradmiral John Kirby erläutert die Strategie in Irak. (Bild: ap/Manuel Balce Ceneta)

WASHINGTON. Kurz nach den Kongresswahlen lässt das Weisse Haus die Katze aus dem Sack. Auf Bitten der irakischen Regierung und des für die Region zuständigen Central Command hat Obama die Entsendung weiterer 1500 Soldaten nach Irak genehmigt. Gleichzeitig weiten die USA den Einsatzradius der dann insgesamt 3000 Militärs, die als Berater und Trainer der irakischen Streitkräfte tätig werden, deutlich aus. Bisher waren die US-Soldaten auf die Kommandozentralen in der Hauptstadt Bagdad sowie der Kurden-Metropole Erbil beschränkt.

Milliarden Dollar beantragt

Künftig sollen sie auch an anderen Standorten der irakischen Armee operieren. Ein Schwerpunkt wird der Einsatz in der Provinz Anbar sein, die nach der Invasion der USA 2003 den heftigsten Widerstand gegen die amerikanischen Besatzer geleistet hatte. Die Extremisten des «Islamischen Staats» (IS) kontrollieren heute weite Teile der von Sunniten bewohnten Region. Die irakische Armee hat es bisher nicht geschafft, die Terrormiliz von hier zurückzudrängen. Das gleiche gilt beispielsweise für die Grossstadt Mossul.

Obama beantragt für die drastisch ausgeweitete Militäroperation gegen den IS zusätzliche 5,6 Milliarden Dollar beim Kongress. 1,6 Milliarden davon sollen in die Aufrüstung und das Training der irakischen Streitkräfte fliessen. Obama wollte den ausgehenden Kongress während dessen letzten Sitzungstagen um die Freigabe der Mittel bitten.

Darüber hinaus strebt das Weisse Haus eine ausdrückliche Autorisierung der erweiterten Mission durch die Gesetzgeber an. Ein hoher Mitarbeiter Obamas sagte, grundsätzlich habe sich nichts an der Position des Präsidenten geändert, rechtlich nicht die Genehmigung des Kongresses für den Einsatz gegen die Extremisten des IS zu benötigen. «Aber es sendet eine Botschaft in die Welt, dass wir uns einig sind.»

«Iraker kämpfen am Boden»

Der Sprecher des Pentagon, Konteradmiral John Kirby, wies entschieden den von Journalisten geäusserten Verdacht zurück, die Regierung habe die unpopuläre Entscheidung bewusst bis nach den Wahlen hinausgezögert, um demokratische Kandidaten zu schützen. «Es gibt beim Timing keine politischen Überlegungen», sagte Kirby. Genauso entschieden widersprach ein Berater Obamas der Einschätzung, die Verdoppelung der Truppen sei ein klarer Hinweis auf eine schleichende Rückkehr der 2011 vollständig abgezogenen US-Truppen in Irak. «Die Iraker sind jene, die am Boden kämpfen», hielt der Berater fest.

Die 3000 US-Militärs in Irak sollen den irakischen Streitkräften helfen, eine Frühjahrsoffensive gegen den IS vorzubereiten. Diese zielt darauf ab, die Extremisten aus jenen Gebieten zurückzudrängen, die sie in Irak erobert haben. Wesentlicher Teil der Strategie ist die Ausbildung von neun Brigaden der irakischen Armee und drei der kurdischen Peschmerga. Die zusammen 20 000 Soldaten stellten die Kerntruppen für den Kampf gegen den IS.

Aktuelle Nachrichten