Obama ärgert britische EU-Gegner

LONDON. Das Thema Europa erhitzt in Grossbritannien erneut die Gemüter. Finanzminister Osborne besuchte zu Wochenbeginn Paris, um dort für EU-Reformen zu werben.

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LONDON. Das Thema Europa erhitzt in Grossbritannien erneut die Gemüter. Finanzminister Osborne besuchte zu Wochenbeginn Paris, um dort für EU-Reformen zu werben. Wenn Premier Camerons Chefunterhändler bis Jahresende ein Ergebnis vorweisen kann, wird die Abstimmung über den Verbleib in der EU neuen Presseberichten zufolge bereits im Juni 2016 stattfinden.

Loslösung von Kolonialmacht

Und ein mächtiger Verbündeter hat keinen Zweifel, wie die Briten dann abstimmen sollten. Grossbritanniens Mitgliedschaft gebe den USA «viel grösseres Vertrauen in die Stärke der transatlantischen Union», teilte US-Präsident Obama letzte Woche der BBC mit – und ärgerte damit die EU-Feinde auf der Insel. Ex-Umweltminister Owen Paterson zog Parallelen zur Loslösung Amerikas von der einstigen Kolonialmacht. «Vor zwei Jahrhunderten hat die USA dafür gekämpft, ihre eigenen Gesetze zu erlassen. Wir wollen unsere eigenen Gesetze in unserem eigenen Parlament machen.»

Die Aufregung im nationalistischen Lager könnte Umfragen geschuldet sein: Diese sprechen jetzt von leichten Vorteilen für die EU-Freunde. Dagegen machen die Austrittsbefürworter, darunter eine Gruppe von «Konservativen für Britannien», mobil. Eine Reihe von Gross-Spendern will die Kampagnenkasse mit bis zu 20 Millionen Pfund auffüllen.

Schwieriges Werben in Paris

Osbornes Besuche auf dem Kontinent dürften häufiger werden, je näher das Referendum heranrückt. Er werbe in Paris für «einen wettbewerbsfähigeren und dynamischeren Kontinent», der allen Bürgern Wohlstand und Sicherheit gewährleisten könne, sagte der EU-Chefunterhändler vorab den Medien. In seinen Gesprächen mit den französischen Kollegen dürfte er eine Ahnung davon erhalten, wie weit die Positionen zwischen britischen Konservativen und der sozialistischen Regierung Frankreichs auseinander liegen. Aussenminister Fabius brachte dies kürzlich auf den Punkt: «Die Briten sind einem Fussballclub beigetreten. Sie können jetzt nicht sagen, dass sie lieber Rugby spielen wollen.» (bor)