«Nur zu 40 Prozent sicher»

Zwei Jahre nachdem französische Truppen im westafrikanischen Binnenstaat Mali Islamisten aus den Städten im Norden des Landes vertrieben haben, ist die Region nach wie vor instabil.

Walter Brehm
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UNO-Konvoi im Norden des westafrikanischen Krisenstaates Mali. (Bild: epa/Evert-Jan Daniels)

UNO-Konvoi im Norden des westafrikanischen Krisenstaates Mali. (Bild: epa/Evert-Jan Daniels)

BAMAKO. Aus den Schlagzeilen ist Mali verschwunden. Die Schreckensbilder, wie Jihadisten in Timbuktu – Sehnsuchts-Stadt vieler Europäer – Menschen drangsalieren und jahrhundertealte islamische Kulturgüter zerstören, sind fast vergessen.

Tuareg kritisieren UNO-Truppe

Doch die Nordregion des westafrikanischen Binnenstaates ist nach wie vor instabil. Am Dienstag hat ein Kampfhelikopter der UNO-Blauhelmtruppe im Land erstmals einen Luftangriff gegen Tuareg-Rebellen geflogen. Dabei sind mindestens sieben Kämpfer der Rebellen getötet worden.

Die seit 18 Monaten in Mali eingesetzten Blauhelme (9000 Mann) verteidigten den Einsatz mit dem Hinweis, dass die Soldaten in den vergangen Tagen mehrfach aus dem Ort heraus mit schweren Waffen beschossen worden seien. Nach dem UNO-Angriff auf ein Dorf etwa 200 Kilometer nördlich der Stadt Gao kündigten die Rebellen an, jede Zusammenarbeit mit der UNO-Truppe einzustellen.

Friedensgespräche bedroht

Die nationalistisch-säkulare Tuareg-Bewegung MNLA hatte ursprünglich für einen eigenen Staat Azawad im Norden des heutigen Mali gekämpft. Seit Monaten jedoch verhandelte die MNLA mit der malischen Regierung über ein Friedensabkommen. Es sollte den Tuareg einerseits mehr regionale Autonomie sichern und andererseits deren Beteiligung an der Zentralregierung in Bamako regeln.

Bereits hatte allerdings die islamistische Tuareg-Bewegung Ansar ad-Din (Unterstützer des Glaubens) Widerstand gegen ein solches Abkommen angemeldet, da sie nicht an den Verhandlungen beteiligt waren. Ansar ad-Din erklärte: «Wir sind gegen jede Konfliktlösung, die nicht im Namen des Islam und seines Rechts, der Sharia, beschlossen wird.»

Tatsache ist, dass die Regierung in Bamako auch zwei Jahre nach der französischen Militärintervention über weite Teile des Landes im Norden praktisch noch immer keine Kontrolle hat.

Verworrene Konfliktlage

Die militärische und politische Lage ist verworrener denn je. Bis heute hat nur die MNLA-Führung erkannt, dass ein eigener Staat nicht zu erreichen ist. Doch dadurch rumort es jetzt auch an der Basis der MNLA, und die schon fast geschlagene Ansar ad-Din wittert nun die Chance, sich als militante Führung der Tuareg etablieren zu können. Zudem sind nach wie vor auch Kämpfer der «Qaida im islamischen Maghreb» in Mali aktiv.

Wachsende soziale Probleme

Die Lage im Norden des Landes sei «lediglich zu 40 Prozent sicher», sagt dazu Hallé Ousmane, Bürgermeister von Timbuktu. Das liegt aber nicht nur an den Differenzen zwischen den beiden Tuareg-Organisationen. Ihre separatistische Rebellion hat sich längst mit kriminellen Elementen vermischt, vor allem mit dem Drogenschmuggel von Lateinamerika über die Sahara und das Mittelmeer nach Europa.

Der Krieg hat im Norden des Landes den ehemals blühenden Tourismus in die Städte Jenne, Mopti und Timbuktu an den Ufern des Nigers zusammenbrechen lassen. Zehntausende Malier verloren ihre Jobs in der Hotellerie oder im Handel mit den Reisenden. In der Folge lässt Landflucht aus dem Norden die Hauptstadt im Süden förmlich explodieren. Längst ist auch die Sicherheit in Bamako bedroht – nicht durch religiösen Extremismus, sondern als Folge wachsender sozialer Probleme.

Diese allerdings können dann schnell doch zum Sprungbrett für Islamisten in den Süden des Landes werden.