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Norwegische Kirche erfindet Mitglieder - und muss nun viel Geld zahlen

Die katholische Kirche von Norwegen hat Bürger mit südländischen und polnischen Namen ohne deren Wissen als Mitglieder angemeldet, darunter auch Atheisten. Sie muss dem Staat nun 4,6 Millionen Franken zurückzahlen.
Niels Anner aus Kopenhagen
Die katholische Kirche in Norwegen hat sich Geld vom Staat erschlichen. (Symbolbild: Keystone)

Die katholische Kirche in Norwegen hat sich Geld vom Staat erschlichen. (Symbolbild: Keystone)

Das Bistum Oslo hat bis zuletzt gekämpft. Doch jetzt hat die katholische Kirche Norwegens in zweiter Instanz einen Prozess gegen den Staat verloren: Ein norwegisches Appellationsgericht verurteilte die Kirchenbehörden zu einer Busse von umgerechnet 250 000 Franken sowie einer Rückzahlung von 4,6 Millionen Franken, weil sie sich Mitgliederbeiträge erschlichen haben. Diese richtet Norwegen als staatliche Zuschüsse an die Kirche aus; Kirchensteuern gibt es dafür nicht.

Die Zuschüsse, rund 100 Franken pro Mitglied, hängen von der Anzahl der Mitglieder ab, und diese waren im Falle der katholischen Kirche seit 2011 auf wundersame Weise um über 60 000 Personen angestiegen – während die evangelisch-lutherische Kirche laufend Mitglieder verlor. 2015 flog allerdings ein Skandal auf, dessen juristische Bearbeitung bis jetzt andauerte: Es war nämlich nicht so, dass sich besonders viele Gläubige plötzlich der katholischen Kirche zugewandt hätten, und auch die Einwanderung hatte nicht zu einer Explosion der Anzahl der Mitglieder geführt. Vielmehr fand das Bistum Oslo, das die Mitglieder für ganz Norwegen verwaltet, eine kreative Marketing-Methode. Mitarbeiter durchsuchten das norwegische Telefonbuch nach spanisch oder polnisch klingenden Namen, da in diesen Ländern der Anteil Katholiken hoch ist. Darauf suchten sie Daten wie Adresse und Sozialversicherungsnummer der betreffenden Personen und registrierten sie kurzum als Mitglieder der katholischen Kirche.

Buddhisten sind plötzlich katholisch

Die Mitgliederkartei vergrösserte sich dadurch markant, und entsprechend stiegen die staatlichen Zuschüsse an das Bistum um mehrere Millionen an. Zunächst merkten viele der neuen Katholiken nichts davon, doch über die Jahre tauchten mehr und mehr merkwürdige Fälle auf. Alarm schlug schliesslich unter anderem ein Vorstandsmitglied des nichtreligiösen Human-Ethischen Verbandes Norwegens. Agnieszka Bryn stellte zu ihrem Entsetzen fest, dass sie ungefragt Katholikin geworden war, und dass das Bistum ihre Personendaten fein säuberlich verwaltete; auch ein Umzug wurde registriert. Weiter fanden sich mehrere Mitglieder einer buddhistischen Gemeinde in den Registern des Bistums wieder. Darauf stürmte die Polizei die Räume der katholischen Kirche, transportierte kistenweise Akten ab und klagte Bischof Bernt Eidsvig des Betrugs an.

Diese Anklage wurde später fallen gelassen, da nicht bewiesen werden konnte, dass Eidsvig über die unfreiwilligen Mitgliedereinträge Bescheid wusste. Dafür sprach ein Bezirksgericht bereits 2017 eine Busse aus, und der Staat forderte einen Millionenbetrag zurück. Es hatte sich gezeigt, dass mehr als 50 000 Personen «mit fragwürdigen Methoden» ins Mitgliederregister des Bistums aufgenommen worden waren. Das Gericht anerkannte es auch nicht als mildernden Umstand, dass rund die Hälfte der ungefragt Aufgenommenen bleiben wollten; der Rest trat entweder sofort aus oder konnte nicht kontaktiert werden.

«Wenn man getauft ist, ist man Katholik»

Die katholische Kirche weigerte sich jedoch, die Rückzahlung zu leisten. Sie verteidigte sich damit, dass Personen, die im Ausland Mitglieder der katholischen Kirche gewesen waren, dies auch automatisch in Norwegen würden. Denn die katholische Kirche sei eine «Weltkirche», so die Erklärung des Anwalts des Bistums: «Wenn man getauft ist, ist man Katholik.» Es brauche daher keine weitere Anmeldung mehr. Diese Argumentation verwarf das Appellationsgericht nun endgültig.

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