Nordkoreas Machthaber empfängt südkoreanische Sondergesandte

Ungeachtet mangelnder Fortschritte beim Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms treiben beide koreanische Staaten ihre Annäherung voran. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un empfing am Mittwoch in Pjöngjang eine fünfköpfige südkoreanische Delegation.

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(sda dpa) Zwar würden die Sondergesandten unter Leitung des nationalen Sicherheitsberaters Chung Eui Yong voraussichtlich nach einem Abendessen wieder mit dem Flugzeug zurückkehren, teilte das Präsidialamt in Seoul mit. Doch die Ergebnisse ihres Treffens mit Kim und anderer Gespräche würden erst am Donnerstag bekanntgegeben.

Im Vordergrund des Besuchs stand ein neues innerkoreanisches Gipfeltreffen in Pjöngjang, auf den sich Kim und der südkoreanische Präsident Moon Jae In schon im April bei einem Treffen im Grenzort Panmunjom geeinigt hatten. Nach bisheriger Planung soll der Gipfel noch im September stattfinden. Die Delegation habe einen persönlichen Brief Moons an Kim übergeben, hiess es.

Chung hatte vor seiner Abreise seine Hoffnung geäussert, dass die Entwicklung der innerkoreanischen Beziehungen auch die "Denuklearisierung" und die Bemühungen um einen dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel antreiben könne. Seoul will dabei auch als Vermittler zwischen Nordkorea und den USA auftreten, die die Hauptakteure in den Atomverhandlungen sind.

Zunehmende Zweifel

Die Reise der südkoreanischen Delegation erfolgt inmitten zunehmender Zweifel an der Ernsthaftigkeit der kommunistischen Regierung in Pjöngjang, die grundsätzlich vereinbarte atomare Abrüstung tatsächlich in Angriff zu nehmen. US-Aussenminister Mike Pompeo hatte in der vergangenen Woche eine geplante Reise nach Nordkorea auf Geheiss von Präsident Donald Trump abgesagt.

Bei seinem ersten Treffen mit Moon und später bei einem Gipfelgespräch mit Trump im Juni in Singapur hatte Kim Jong Un seine Bereitschaft zu einer "kompletten Denuklearisierung" bekräftigt. Es gab aber bisher keine konkreten Zusagen, wie und bis wann die Abrüstung erfolgen soll.

Nordkorea hatte Washington nach dem Gipfel vorgeworfen, das Land mit der Forderung nach einer einseitigen Abrüstung unter Druck zu setzen. Die USA hatten unter anderem gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea ausgesetzt, die Nordkorea in der Vergangenheit stets als Provokation bezeichnet hatte. Washington hatte sich bereiterklärt, Pjöngjang im Fall der Abrüstung Sicherheiten zu bieten.

Friedensabkommen als Thema

Es wird vermutet, dass die südkoreanische Delegation in Pjöngjang auch über die Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen den Parteien des Korea-Kriegs (1950-53) gesprochen hat. Bis heute ist noch immer ein Waffenstillstandsvertrag gültig, weswegen sich die koreanische Halbinsel völkerrechtlich noch im Kriegszustand befindet.