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Nordkoreas Diktator packt die «Atomkeule» aus

PJÖNGJANG. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat befohlen, das «Atomwaffenarsenal» zum sofortigen Einsatz scharf zu machen.
Angela Köhler

PJÖNGJANG. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat befohlen, das «Atomwaffenarsenal» zum sofortigen Einsatz scharf zu machen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur KCNA meldet, habe der Führer bei der Inspektion einer Raketeneinheit angeordnet, das Militär solle sich auch auf «Präventivschläge» vorbereiten. Es ist nicht das erste Mal, dass Pjöngjangs Machthaber mit einem atomaren Erstschlag gegen Südkorea, die USA und Japan droht, aber heute ist die Lage beunruhigender als sonst. Im Februar hatte das Regime mit dem Start einer Langstreckenrakete und einen Monat zuvor mit dem Test einer angeblichen Wasserstoffbombe die Welt provoziert.

Neuer Atomtest erwartet

Es ist zwar möglich, dass Kim und Genossen tatsächlich über kampffähige Nuklearsprengköpfe verfügen, aber zweifelhaft, ob ihre Militärs diese auf Interkontinentalraketen montieren können. Dennoch ist es «eine weitere Provokation mit dem Ziel, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel anzuheizen», liess Südkoreas Regierung verlauten. Es wird nun schon bald mit einem fünften nordkoreanischen Atomtest gerechnet, was fast automatisch eine totale Ächtung der altstalinistischen Diktatur in der Welt zur Folge hätte. Erst am Mittwoch hatte der UNO-Sicherheitsrat – erstmals auch mit den Stimmen der mit Nordkorea sympathisierenden Veto-Mächte China und Russland – die seit 20 Jahren schärfsten Sanktionen verabschiedet.

Äusserer Feind hilft im Innern

Kim nannte die Strafmassnahmen «gangsterartig» und reagierte mit dem Abschuss von Kurzstreckenraketen ins Japanische Meer. Das zeigt einerseits, wie gross die Wirkung sein kann, wenn wirklich alle Länder und Konzerne bei den Sanktionen mitziehen, und es beweist die daraus resultierende Nervosität des Regimes. Egal, ob wirklich akute Gefahr droht oder Kim nur blufft – die Welt darf rätseln. Ist der Diktator nun endgültig dem Grössenwahn und dem Verlust von jedem politischen Realitätssinn verfallen? Oder zielen die Brüskierungen darauf, geostrategischen Gewinn zu ziehen?

Vieles spricht dafür: Kim und Genossen sehen in der Aufrüstung ihre Staatsräson. Sie brauchen einen Feind, um dem eigenen Volk eine externe Gefahr für die Heimat vorzugaukeln und damit jeden inneren Widerstand zu unterdrücken. Das Kalkül des Diktators läuft in die andere Richtung darauf hin, selbst «gefährlich» und am besten sogar «gefürchtet» zu sein. Nur so kann dieses irre Regime überhaupt eine Existenzberechtigung ableiten. Aber auch seine Generäle wissen, dass jede direkte Attacke einen fürchterlichen Gegenschlag auslösen und das Regime pulverisieren würde.

Eine politische Falle?

Es mag grotesk anmuten, aber der Diktator nützt seinen Gegnern sogar als Feindbild. Hardliner in der Region, aber auch in den USA begründen mit Kims Säbelrasseln eigene ambitionierte Aufrüstung. Die USA schickten schon vier F-22 Kampfflugzeuge nach Südkorea. Derzeit wird zwischen Washington und Seoul auch über die Installierung eines US-Raketenabwehrsystems diskutiert. Bisher war Washington dazu nicht bereit, um China nicht zu provozieren und Japan keinen Grund zu liefern, auch ein solches System zu verlangen. Peking fürchtet, das Radar könnte weit in sein Hoheitsgebiet «blicken». Das Kalkül, Irritationen zwischen den Hauptstädten Ostasiens zu provozieren, ist möglicherweise genau die politische Falle, die Kim aufgestellt hat.

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