Nordkorea richtet höchsten Wirtschaftsplaner hin

Er sei ein «Sohn der Bourgeoisie» gewesen, der die «Ränge der Revolutionäre infiltrierte, um die Volkswirtschaft zu zerstören». Mit dieser Begründung soll Nordkoreas ranghöchster Wirtschaftsplaner hingerichtet worden sein.

Bernhard Bartsch
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Reuebekenntnis abgelegt: Diktator Kim Jong Il. (Bild: ap)

Reuebekenntnis abgelegt: Diktator Kim Jong Il. (Bild: ap)

peking. Pak Nam Ki, in der Arbeiterpartei für die Planwirtschaft verantwortlich, sei letzte Woche auf einem Kasernengelände in Pjöngjang vor ein Erschiessungskommando gestellt worden, berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Mit dem «bourgeoisen Sabotageakt» dürfte die gescheiterte Währungsreform gemeint sein. Sie erregt im verarmten Land seit Monaten die Gemüter und hat das Vertrauen in die Regierung so stark beschädigt, dass sich sogar der als unfehlbar geltende Diktator Kim Jong Il zu einem öffentlichen Reuebekenntnis genötigt sah.

Sparguthaben vernichtet

Der Fall, in dem Kim nun seinen 77jährigen Weggefährten Pak zum Sündenbock machte, zeigt, wie katastrophal die Lage im erzkommunistischen Land inzwischen ist. Da das staatliche Versorgungssystem seit Jahren nicht mehr funktioniert, sind viele Menschen für Nahrungsmittel und andere Lebensnotwendigkeiten auf den Schwarzmarkt angewiesen.

Doch selbst mit dieser Parallelwirtschaft, die zum Teil auf Schmuggel mit China beruht, lässt sich der Bedarf der Nordkoreaner kaum decken, so dass die wenigen vorhandenen Produkte immer teurer werden.

Um die grassierende Inflation einzudämmen und die Schwarzmarktgeschäfte zu unterbinden, gab Pjöngjang im vergangenen November neues Geld aus.

Beim Zwangsumtausch gab es für 100 alte Won einen neuen, wobei jede Familie maximal 100 000 Won umtauschen durfte, was rund 30 Euro entspricht. Viele Sparguthaben wurden so vernichtet. Wer konnte, verweigerte der Regierung die Gefolgschaft und wechselte sein Geld heimlich in sicherere Währungen wie den chinesischen Yuan oder gar US-Dollar um. Die Verunsicherung trieb die Preise für Grundnahrungsmittel noch schneller in die Höhe als bisher. Allein der Reis verteuerte sich um den Faktor 50.

Vielerorts kam es zu Unruhen, Geschäfte wurden mehrere Tage lang geschlossen.

Dramatische Versorgungslage

Nach wenigen Wochen war die Versorgungslage so dramatisch, dass Pjöngjang allen politischen Querelen zum Trotz nach zweijähriger Unterbrechung wieder Lebensmittelhilfen aus Südkorea annahm. Um den Volkszorn auf andere ablenken zu können, liess Kim im Februar erklären, sein Herz sei gebrochen, weil die Menschen in seinem Land nur noch «gebrochenen Reis» essen könnten.

Gemeint ist Reis, der in anderen Ländern als Abfall gilt. Es war ein ungewöhnliches Eingeständnis der Probleme des eigenen Landes, denn normalerweise suggeriert der Propagandaapparat den Nordkoreanern, dass die Welt sie für ihren Wohlstand beneide.

Südkoreanischen Medien zufolge steckt Kims Regime in seiner grössten Krise seit Jahren. Mit der Hinrichtung Paks dürfte sich das Vertrauen kaum wieder herstellen, geschweige denn das Währungsproblem lösen lassen.

Zudem soll die missglückte Reform im Namen von Kims drittem Sohn Kim Jong Un durchgeführt worden sein, der als Wunschnachfolger des gesundheitlich angeschlagenen Diktators gilt. Im Oktober warf die UNO Kim vor, einem Drittel seiner 24 Millionen Einwohner das Menschenrecht auf Nahrung vorzuenthalten. Nach dem Währungsdebakel dürfte der Anteil nun noch höher sein.

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