Nordkorea feuert mit «Trotzraketen» zurück

TOKIO. Kim Jong Un reagierte prompt. Nur wenige Stunden nach der einstimmigen Verhängung neuer UNO-Sanktionen gegen das nordkoreanische Regime liess der Diktator gestern morgen mehrere Kurzstreckenraketen in Richtung Japanisches Meer abfeuern.

Angela Köhler
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TOKIO. Kim Jong Un reagierte prompt. Nur wenige Stunden nach der einstimmigen Verhängung neuer UNO-Sanktionen gegen das nordkoreanische Regime liess der Diktator gestern morgen mehrere Kurzstreckenraketen in Richtung Japanisches Meer abfeuern. Nach Informationen des südkoreanischen Verteidigungsministeriums stürzten die Geschosse wenig später 100 bis 150 Kilometer östlich ins Wasser. Nordkoreas Führer schoss seine «Trotzraketen» gegen die internationale Gemeinschaft. Erst in der Nacht zuvor hatte der UNO-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Sanktionen seit 20 Jahren beschlossen. Als Reaktion auf den Atomtest Nordkoreas im Januar und den Start einer weltweit kritisierten Langstreckenrakete einen Monat später sind Kim und Genossen nun weltweit absolut isoliert.

Weitere Eskalation

Mit den Stimmen auch der Veto-Mächte China und Russland, die der Bestrafung Pjöngjangs bisher sehr zögerlich gegenüberstanden, wurde Nordkorea drastisch zur Ordnung gerufen. So sollen künftig alle das Land ansteuernden Frachtschiffe auf hoher See kontrolliert werden. Zudem wurde ein Exportverbot für wertvolle Bodenschätze, Handfeuerwaffen sowie Luxusartikel wie teure Uhren und Golfausrüstungen verhängt, mit denen Führer Kim seine Gefolgsleute sehr gern bei Laune und Loyalität hält.

Früher gab es stets Zweifel an der Wirksamkeit solcher Massnahmen, da Pjöngjang die Sanktionen mit Hilfe von Peking geschickt umging. Diesmal ist die südkoreanische Regierung jedoch überzeugt, dass die Auswirkungen auf die Wirtschaft des Nachbarn «weit drastischer sind als bisher», wie die Zeitung «The Korea Herald» auf ihrer Website kommentiert. In Seoul sei man sich aber auch im Klaren, dass Sanktionen und «Trotzraketen» die interkoreanischen Spannungen «weiter eskalieren lassen werden», schreibt der «Herald».

Industriepark geschlossen

Vor knapp drei Wochen hatte Kim Jong Un bereits den gemeinsamen Industriepark Kaesong schliessen lassen, die dort arbeitenden südkoreanischen Manager ausgewiesen und das Vermögen von deren Betrieben beschlagnahmt. Im einstigen Vorzeigesymbol der Entspannung an der entmilitarisierten Zone produzierten seit Anfang des Jahrtausends 124 Unternehmen aus Südkorea mit 55 000 billigen Beschäftigten aus dem Norden Textilien, Schuhe und Uhren.

Das brachte dem Kim-Regime noch 2015 etwa 110 Millionen Dollar dringend benötigter Devisen. Die Arbeiter Nordkoreas erhielten ihren Lohn dagegen in einheimischer Währung und Warencoupons. Das harte Geld floss wohl ausschliesslich in die Aufrüstung. Mit der Stilllegung dieser Einnahmequelle verhängt Kim Jong Un quasi Sanktionen gegen sich selbst.

Militärisches Wettrüsten

Aber auch militärisch wird das Klima entlang der Grenze immer eisiger. Als «Mission der Stärke» und martialische Reaktion auf den aggressiven Kurs der Nordkoreaner haben die USA in Südkorea unlängst vier F-22-Kampfflugzeuge stationiert, die nur schwer vom Radar zu erfassen sind. Derzeit laufen auch intensive Verhandlungen zwischen Washington und Seoul über die Installierung eines US-Raketenabwehrsystems. Kim Jong Un liess derweil verkünden, er werde sehr bald einen aggressiven Schritt weiter gehen. Wenn Südkoreas Geheimdienst Recht hat, lässt der skrupellose Kim akut einen fünften Atomtest vorbereiten. Auch soll das Regime mit dem Weltraumtest einer Langstreckenrakete im Februar seine interkontinentale Technologie deutlich verbessert haben.

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