NORDIRAK: Weihnachten in der Geisterstadt

In Bartella herrscht nach der Rückeroberung vom «Islamischen Staat» Zerstörung. Zu Weihnachten sind die christlichen Bewohner zurückgekehrt.

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Die Zivilisten sind aus Bartella verschwunden. Die zwischenzeitliche Herrschaft der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) rund um die nordirakische Metropole Mossul hat auch die 20 Kilometer von der einstigen IS-Hochburg entfernt gelegene Stadt unbewohnbar gemacht. Seit der Grossoffensive auf Mossul durch die irakische Armee und ihre Verbündeten haben sich militärische Einheiten in Bartella einquartiert; sie kämpfen weiter gegen den IS in Mossul.

Zu Heiligabend wurde der Stadt und ihren christlichen Stätten kurzzeitig neues Leben eingehaucht: Die ehemaligen Bewohner Bartellas, in der Mehrheit Christen, wurden am 24. Dezember mit Bussen in ihre Heimatstadt gebracht, um in der Mar-Shimoni-Kirche das Weihnachtsfest feiern zu können.

Bewaffnete Soldaten auf dem Kirchendach

Stattfinden konnte der Gottesdienst nur dank enormer Sicherheitsvorkehrungen: Auf den Dächern hatten sich bewaffnete Soldaten positioniert. Wer die Kirche betreten wollte, musste zunächst durch eine Personenkontrolle am Eingang.

An dem Gottesdienst nahmen neben Zivilisten auch hochrangige Militärgeneräle der Peschmerga und der irakischen Armee sowie US-Soldaten teil. Auch mehrere Priester und Bischöfe waren angereist.

Da es im zerstörten Bartella keine Stromversorgung mehr gibt, mussten vor der Kirche Stromgeneratoren aufgebaut werden. Junge Männer reparierten vor dem Gottesdienst die Kirchturmglocke der Mar-Shimoni-Kirche. Ihr Läuten zu Beginn des Gottesdienstes war ein emotionaler Augenblick für die kurzzeitig in ihre Heimat zurückgekehrten Flüchtlinge. Die einstigen Bewohner Bartellas leben zurzeit in Ankawa, dem christlichen Quartier der irakischen Kurdenhauptstadt Erbil. Bartella war am 20. Oktober von den christlichen Einheiten Nineveh Plain Protection Units (NPU) und Nineveh Plain Forces (NPF) sowie irakischen Spezialeinheiten zurückerobert worden. 95 Prozent der 29 Millionen Einwohner des Irak sind Muslime. Von den einst 1,5 Millionen Christen, die bis ins Jahr 2003 im Irak lebten, sind heute nur noch 300 000 im Land.

Mit dem unter grossem Aufwand organisierten Gottesdienst in Bartella wollten die irakischen Christen auch ein Zeichen setzen: Sie haben vor, in diesem Land zu bleiben. (ps/red)