NOMINATION: Neuer FBI-Direktor gilt als «integer und ehrlich»

Christopher Wray soll auf Wunsch von Präsident Donald Trump neuer Direktor der Bundespolizei FBI werden. Der Staranwalt geniesst in der Branche hohes Ansehen.

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Im Gespräch für den prestigeträchtigen Job an der Spitze der US-Bundespolizei FBI waren Politiker wie John Cornyn, ein hochrangiger republikanischer Senator aus Texas, und Joe Lieberman, der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei im Jahr 2000. Am Mittwoch aber fiel die Wahl auf einen Staranwalt mit Regierungserfahrung: Künftig soll der 50-jährige Christopher Wray an der Spitze der Bundespolizei FBI stehen. Dies gab Präsident Donald Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt. Die Nomination muss noch durch den Senat bestätigt werden.

Wray ist ein alter Bekannter in Washington. In der zweiten Hälfte der Präsidentschaft von Bill Clinton war er ein hochrangiger Staatsanwalt in der Zweigstelle des Justizministeriums in Atlanta (Georgia). Nach dem Regierungswechsel im Jahr 2001 zog er in die Hauptstadt und diente in der ersten Amtszeit von Präsident George W. Bush in hochrangigen Positionen. Zuerst war er die rechte Hand des stellvertretenden Justizministers Larry Thomp­son, mit dem er freundschaftlich verbunden ist. Thompson ist Götti seines Sohnes Trip. Dann leitete Wray von 2003 bis 2005 die Strafabteilung («Criminal Division»), die sich mit der Verfolgung von Kriminellen beschäftigt – wobei das Spek­trum von Wirtschaftskriminellen bis zu international tätigen Terroristen reichte. Dabei arbeitete er auch mit James Comey zusammen, den er nun an der Spitze des FBI ersetzen soll. Comey war damals stellvertretender Justizminister und stand an der Spitze einer internen Revolte, die sich (indirekt) gegen Vizepräsident Dick Cheney richtete – weil das Weisse Haus versucht hatte, Bedenken gegen ein Spionageprogramm in den Reihen der Karrierejuristen wegzuwischen. Als Comey und sein Mitverschwörer Robert Mueller, der damalige FBI-Direktor, mit einem Massenrücktritt drohten, solidarisierte sich Wray mit ihnen.

«Schau», soll er Comey im Hauptquartier des Justizministeriums gesagt haben, «ich weiss nicht, was hier vorgeht, aber bevor ihr alle die Reissleine zieht, gebt mir bitte eine Vorwarnung, damit ich euch folgen kann.»

Nach der Wiederwahl von Präsident Bush im Jahr 2004 zog sich Wray nach Atlanta zurück und kehrte in die re­nommierte Anwaltskanzlei King & Spalding zurück, die auch in Genf eine Zweigstelle betreibt. Zuletzt stand er an der Spitze der Abteilung für Firmenkunden, die Probleme mit staatlichen Aufsichtsstellen oder Ermittlungsbehörden haben. Zu den Klienten von Wray gehörte dabei nebst der Schweizer Grossbank Credit Suisse, die im Steuerstreit zu einer Busse von 2,6 Milliarden Dollar verknurrt wurde, auch Chris Christie, der republikanische Gouverneur von New Jersey und Freund des Präsidenten. King & Spalding vertrat Christie in den vergangenen Jahren im Skandal um ein Verkehrschaos auf der George Washington Bridge zwischen New Jersey und New York, das Vertraute des Gouverneurs angerichtet hatten – angeblich, um eine politische Rechnung mit einem demokratischen Lokalpolitiker zu begleichen. Obwohl im Zuge von «Bridgegate», wie der Skandal auch genannt wurde, hochrangige Vertraute Christies gerichtlich verurteilt wurden, kam der Gouverneur strafrechtlich ungeschoren davon. «Ich habe grosses Vertrauen in Chris», sagte Christie kürzlich über seinen Anwalt. Er sei «integer und ehrlich»; das sind gute Vorzeichen für den künftigen Chef einer Polizeibehörde mit mehr als 35 000 Angestellten.

Renzo Ruf, Washington