Noch wird bombardiert

Nach massivem Druck aus den USA hat Saudi-Arabien das vorläufige Ende des Luftkriegs in Jemen angekündigt. Es hält sich aber nicht daran, da es die Kriegsziele noch nicht erreicht hat.

Michael Wrase
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SANAA. Der politische Druck auf die saudische Regierung war anscheinend gewaltig. Nach Informationen der Zeitung «New York Times» hatten US-Präsident Barack Obama und sein Aussenminister John Kerry in den vergangenen Tagen mehrfach mit den saudischen Machthabern gesprochen, um sie zur Einstellung ihres vierwöchigen Luftkriegs in Jemen zu bewegen. An der Überzeugungsarbeit beteiligt war auch CIA-Direktor John O'Brennan, der die Saudis direkt in Riad bearbeitete. Als Grund für das von Washington geforderte Ende des Luftkriegs nannte ein amerikanischer Offizieller lapidar die «sehr hohen Kollateralschäden».

Gemeint waren damit nicht nur die hohen Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung in Jemen, wo bislang fast 1000 Menschen starben. Gemeint war auch die amerikanische Sorge vor einer direkten Konfrontation zwischen Iran und Saudi-Arabien, die Washingtons Entspannungspolitik mit Teheran gefährden würde.

Mit Iran beraten

Um den Konflikt in Jemen zu entschärfen, telefonierte US-Aussenminister Kerry daher auch mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Zarif. Dessen Stellvertreter Hossein Amir-Abdollahian verkündete bereits am Dienstagmorgen das bevorstehende Ende des Luftkriegs.

Die entsprechende saudische Verlautbarung erfolgte erst zwölf Stunden später. Die «erste Phase» im Kampf gegen die Huthis sei beendet, erklärte ein Militärsprecher. Nach dem «Sturm der Entschlossenheit» werde nun die Operation «Erneuerung der Hoffnung» beginnen. Seine Kriegsziele in Jemen sieht Saudi-Arabien erreicht. Nach der Zerstörung ihrer militärischen Ressourcen würden die Huthis keine Gefahr mehr für die Zivilisten darstellen.

Tatsächlich hat es die saudisch-geführte Koalition nicht geschafft, die von der jemenitischen Armee unterstützten Schiitenmilizen aus Sanaa und Aden zu vertreiben. Auch die Wiedereinsetzung des nach Riad geflüchteten Präsidenten wurde nicht erreicht. In seiner als Abschiedsrede gewerteten Ansprache dankte Abd Rabbo Mansur Hadi tief deprimiert den Saudis für die «Erneuerung der Hoffnung» in seinem Land.

Krieg auf Sparflamme

Anzeichen dafür waren zunächst nicht erkennbar. Nur Stunden nach dem in Riad proklamierten Ende der ersten Kriegsphase bombardierte die Koalition Huthi-Stellungen in der Grossstadt Taiz. Schliesslich müssten Aktionen und Bewegungen der Huthis auch zukünftig verhindert werden, rechtfertigte der saudische Militärsprecher die Fortsetzung der Bombenangriffe. Der Krieg in Jemen, so scheint es zurzeit, dürfte vorerst auf Sparflamme weitergehen. Gleichzeitig werden die USA und Iran versuchen, die Konfliktparteien weiter unter Druck zu setzen.

Mit schnellen Erfolgen ist nicht zu rechnen. Auch Washington weiss inzwischen, dass die Huthis «keine iranischen Marionetten sind», wie dies in Riad immer wieder behauptet wird. Teheran habe die Huthis sogar vor den Konsequenzen einer Machtübernahme in Sanaa gewarnt, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Bernadette Meehan, der US-Online-Zeitung «Huffington Post».

Erneut US-Drohnenangriffe

Zu den amerikanischen Massnahmen zur Kontrolle des Jemen-Kriegs gehört auch die Entsendung des Flugzeugträgers Theodore Roosevelt in den Golf von Aden. Nach saudischen Medienberichten will die US-Navy iranische Waffenlieferungen nach Jemen verhindern. Tatsächlich starteten von dem Flugzeugträger in den letzten Tagen Drohnen, die von der saudischen Luftwaffe ignorierte Stellungen der Al Qaida bei Mukalla angriffen. Zu den Aufgaben der Navy gehört zudem die Blockade des vom Terrornetzwerk kontrollierten Seehafens der südjemenitischen Grossstadt.