Bernie Sanders kündigt Kandidatur zum US-Präsidenten an

USA: Der sozialistische Senator Bernie Sanders aus Vermont bewirbt sich erneut um die Nomination zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten.

Renzo Ruf, Washington
Drucken
Teilen
Senator Bernie Sanders. Bild: Bill Clark/ CQ Roll Call

Senator Bernie Sanders. Bild: Bill Clark/ CQ Roll Call

Eigentlich hat Bernie Sanders bereits gewonnen. Dem schrulligen Senator aus dem kleinen Ostküstenstaat Vermont, der sich als demokratischer Sozialist und Revolutionär bezeichnet, gelang es in den vergangenen vier Jahren, die Demokratische Partei von seinen Positionen zu überzeugen. So treten nun plötzlich fast sämtliche linken Kandidaten, die sich im Rennen um das Weisse Haus befinden, für eine Quasi-Verstaatlichung des Krankenversicherungswesens an. Auch die Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Dollar pro Stunde ist plötzlich, zumindest unter Demokraten, nicht mehr derart umstritten.

Sanders, der seinen Bundesstaat seit 1991 im nationalen Parlament vertritt, will sich aber noch nicht zur Ruhe setzen. Vielmehr möchte der 77-Jährige erreichen, dass seine Ideen nicht nur debattiert, sondern auch umgesetzt werden. Deshalb gab Sanders in einem Gespräch mit dem Fernsehsender «CBS» seine erneute Präsidentschaftskandidatur bekannt. «Revolutionen werden nicht über Nacht gewonnen», sagte er. Und: Präsident Donald Trump müsse 2020 abgewählt werden, weil er ein Lügner, Sexist und Rassist sei.

Der Wahlkampf 2016 hinterliess offene Wunden

Diese feurige Rhetorik war es, die Sanders im Wahlkampf 2016 zu einem Star machte. Anfangs belächelt, entwickelte sich der langjährige Politiker zu einer ernsthaften Bedrohung für Hillary Clinton, der damaligen Favoritin im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Mit dafür verantwortlich waren enthusiastische junge Aktivisten, aber auch Anhänger der weissen Arbeiterschicht, die Sanders stärker vertrauten als der schwerreichen Clinton. Seine langen Tiraden gegen «Millionäre und Milliardäre» und gegen das «korrupte System» zogen Millionen von Wählern in den Bann. Dieser Wahlkampf hinterliess allerdings auch offene Wunden. Das Clinton-Lager hat es Sanders nicht verziehen, dass er die Integrität der ehemaligen Aussenministerin anzweifelte, und damit Trump einen Steilpass zuspielte. Und die Parteiführung der Demokraten ist immer noch wütend auf den Trittbrettfahrer, weil Sanders auf seiner Unabhängigkeit beharrt. In Washington politisiert Sanders als Mitglied der demokratischen Fraktion. Auf seiner Internetseite betont er aber, er gehöre keiner Partei an. Und schliesslich unterliefen dem Senator Fehler bei der Organisation seines Wahlkampfstabes. Obwohl sich Mitarbeiterinnen und Helferinnen über den Sexismus der Führungsriege beklagten, wurden ihre Beschwerden nicht gehört. Dies passte nicht so recht zum Bild eines Kämpfers für Gleichberechtigung.

Sanders sagt, er sei bei guter Gesundheit und sehe deshalb keinen Grund, auf eine erneute Präsidentschaftskandidatur zu verzichten. Dabei kommt ihm zugute, dass einer der Favoriten der Demokraten, Ex-Vizepräsident Joe Biden, mittlerweile ebenfalls 76 Jahre alt ist. Andererseits werden sich nebst den beiden alten Schlachtrössern gegen ein Dutzend ernsthafte Kandidaten um die Nomination der Demokraten bemühen. Sanders läuft deshalb Gefahr, von jüngeren Anwärterinnen wie Kamala Harris oder Elizabeth Warren in den Schatten gestellt zu werden. Der Berufsrevolutionär gibt sich allerdings ungerührt. Als er vom «CBS»-Moderator gefragt wurde, was er denn im zweiten Anlauf anders und besser machen werde, antwortete Sanders: Dieses Mal «werden wir gewinnen».

Aktuelle Nachrichten