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Interview

Nicola Forster: «Die Schweiz schöpft ihre Möglichkeiten nicht aus»

Nicola Forster hat die aussenpolitische Denkfabrik foraus gegründet. Acht Fragen zum zehnten Geburtstag des Think Tanks.
Samuel Schumacher
(Bild: Walter Bieri/Keystone)

(Bild: Walter Bieri/Keystone)

Der Zürcher Jurist Nicola Forster, 34, hat vor zehn Jahren die aussenpolitische Denkfabrik foraus ins Leben gerufen. Am Samstag übergibt er das Präsidium der 28-jährigen Umweltwissenschafterin Anna Stünzi.

Nicola Foster, was hat Ihre aussenpolitische Denkfabrik in den letzten zehn Jahren konkret erreicht?

Unsere grösste Innovation ist unser Think-Tank-Modell: Dass aussenpolitische Ideen von jungen, ehrenamtlich engagierten Menschen in den Schweizer Politbetrieb hineingetragen werden, das gab’s vor der Gründung von foraus nicht. Wir haben beispielsweise einen Vorschlag gemacht für die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative, den «Konkordanzartikel», der von allen Parteien von BDP bis Grüne geteilt wurde. Es gibt laufend Vorstösse im Parlament, die auf Erkenntnissen unserer Studien basieren. Zudem haben wir kürzlich präsentiert, mit welchen Massnahmen man die Gewerkschaften beim Rahmenabkommen zurück an den Verhandlungstisch holen könnte.

Was sollen Think Tanks der Schweiz bringen, wo ja eh alle schon mitreden können?

Wir Schweizer haben oft das Gefühl: Wir haben ja die direkte Demokratie, besser als wir kann man’s nicht machen. Wenn man sich aber umschaut, wie andere Staaten oder auch Städte ihre Bürger bei wichtigen Fragen beteiligen, dann sieht man, dass die Schweiz die digitalen Partizipationsmöglichkeiten noch überhaupt nicht ausschöpft. Wir sollten den Schritt von einer Ja/Nein- zu einer Mitwirkungsdemokratie wagen. Da können Think Tanks wie foraus etwas anbieten: Sie schaffen Plattformen für Bürgerinnen und Bürger und bringen Ideen hervor, die für die Politik nützlich sind.

Wäre es nicht zielführender, wenn junge Leute sich in politischen Parteien engagieren würden, statt in irgendwelchen Think Tanks ein bisschen über Politik zu diskutieren?

Think Tanks wie foraus und Bewegungen wie Operation Libero passen besser zur heutigen Lebensrealität von jungen Menschen als viele klassische Parteien. Wer sich für die Aussenpolitik engagieren möchte, kann das in politischen Parteien kaum ausleben. Denn eine politische Karriere beginnt auch heute noch meist mit der Lokalpolitik und erfordert ein Engagement über viele Jahre. Bei foraus kann man sich auch über eine kürzere Zeit und ortsunabhängig einbringen.

Sie selber haben in Zürich als grünliberaler Kandidat für den Nationalrat kandidiert. Das zeigt doch, dass man eben doch nicht am traditionellen Politbetrieb vorbeikommt, wenn man wirklich mitreden will.

Ich hatte einfach Lust, politische Verantwortung zu übernehmen über das reine Ideeneinbringen hinaus. Die Schweiz braucht beides: Menschen, die aktiv an Ideen hirnen und Menschen, die politisch für diese Ideen kämpfen.

Wie hat sich die Schweizer Aussenpolitik in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Es gibt zwei starke Tendenzen, die sich gegenseitig im Weg stehen: Alles wird internationaler. Gleichzeitig ist die innenpolitische Abstützung der Aussenpolitik so wichtig wie noch nie. Das zeigt sich beim Rahmenabkommen: Da kommen wir nur weiter, wenn wir uns zuvor mit allen beteiligten Partnern in der Schweiz auf eine Lösung einigen. Deshalb wird die Arbeit von Think Tanks wie foraus immer wichtiger.

Sieben der 15 foraus-Angestellten sind Praktikanten, die für 1000 Franken brutto für Sie arbeiten. Ist das fair?

Praktika im NGO-Umfeld sind leider nicht gut entschädigt oder wie bei der UNO sogar unbezahlt. In gewissen Jahren waren aber mehr als die Hälfte der neuen Schweizer Diplomaten einstige foraus-Köpfe. Es lohnt sich also, bei uns mitzuwirken!

Aussenminister Ignazio Cassis gilt als Wackelkandidat. Die Sorge geht um, die Schweiz verspiele ihren diplomatischen Ruf. Zu Recht?

Die Diplomatie der Schweiz ist und bleibt eine der stärksten der Welt. Wir sind als Land in vielen internationalen Konflikten als Vermittler tätig. Die Bundesratsdiskussionen versperren den Blick darauf, was die Schweiz aussenpolitisch alles leistet.

Bundesrat Cassis will, dass die Schweiz nur noch Länder unterstützt, die in der Migrationspolitik mit uns zusammenarbeiten. Entspricht das noch unserer humanitären Tradition?

Ich sehe diese Verknüpfung kritisch. Entwicklungszusammenarbeit ist dann erfolgreich, wenn sie die globale Armut lindert, nicht, wenn sie die Migration reduziert. Im Gegenteil: foraus hat in einer Studie nachgewiesen, dass erfolgreiche Entwicklung sogar zu einem Anstieg der Migration führen kann, weil Menschen plötzlich Jobs haben, Geld verdienen und dadurch mobil werden. Und das ist positiv!

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