Nicht nur der nette Schwiegersohn

Christian Wulff ist der neue Bundespräsident Deutschlands. In der Bundespolitik wurde er bisher als braver Parteisoldat gesehen. Als Ministerpräsident Niedersachsens gehörte er zu den populärsten Politikern Deutschlands. Im neuen Amt will er ein Brückenbauer sein.

Walter Brehm
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Christian Wulff (Bild: ap)

Christian Wulff (Bild: ap)

Vielen Menschen gilt er als smart und nett. Andere drücken es weniger freundlich aus und sagen beliebig und blass. Unstrittig ist aber: Christian Wulff ist einer der beliebtesten Politiker Deutschlands – und er war bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten der letzte Rivale von Angela Merkel in der CDU. Vielleicht ein gewichtiger Grund dafür, dass ihn die Kanzlerin überhaupt aufs Panier gehoben – quasi weggelobt hat.

Der 51jährige Wulff wirkt jugendlich, ist der Typ netter Schwiegersohn. Diesem Image hat nicht einmal die Scheidung von seiner ersten Frau Christine und die Wiederverheiratung mit der 15 Jahre jüngeren PR-Beraterin Bettina etwas anhaben können.

Vielleicht blass, aber sicher zäh

Die rot-grüne Opposition hat Wulff vorgeworfen, er sei ein Mann ohne Eigenschaften. Seine Beliebtheit beruhe auf seiner Beliebigkeit.

Als herausragender Redner – die wohl wichtigste Eigenschaft, um sich als Bundespräsident zu profilieren – hat sich das nun gewählte deutsche Staatsoberhaupt tatsächlich bisher keine Namen gemacht.

Der Titel einer Wulff-Biographie von Armin Fuhrer lautet aber: «Der Marathon-Mann». Es ist eine Anspielung auf seine Ausdauer.

Im Kampf um das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten ist er zweimal dem späteren SPD-Kanzler Gerhard Schröder unterlegen, bevor er sich dann 2003 gegen den heutigen SPD-Chef Sigmar Gabriel durchgesetzt hat. Ausdauer, nicht politischer Aktionismus prägt Stil und Charakter von Christian Wulff.

Will Zwischentöne beachten

Im öffentlichen Amt war der neue Bundespräsident bisher durch und durch Landespolitiker. Er hat nie dem Bundestag oder einem Bundeskabinett angehört.

Nur in seiner Partei, der CDU, hat er auf Bundesebene mitgewirkt. Christian Wulff war als Jugendlicher Vorsitzender der Schüler-Union, als junger Mann gehörte er dann zur Bundesführung der Jungen Union und als ambitionierter Politiker schliesslich zum Bundesvorstand der CDU.

Parteisoldat heisst das Negativ-Image, das sich aus dieser Karriere ableitet und Wulff in der Bevölkerung einen schweren Stand gegen den parteiunabhängigen Joachim Gauck bescherte.

Selber beschreibt Christian Wulff seine politischen Fähigkeiten so: «Zusammenführen, Gräben zuschütten, Brücken bauen, Zwischentöne beachten». Zum Beleg seiner Qualitäten, die eine Mehrheit der Bürger vor der Wahl eher Gauck zugeschrieben hat, sagt Wulf: «Ich war der erste Ministerpräsident eines westdeutschen Landes, der eine ostdeutsche Politikerin in sein Kabinett geholt hat und eine Muslima zur Ministerin gemacht hat.»

Im Amt wachsen

Christian Wulff kann davon ausgehen, dass die knappe Wahl zum Bundespräsidenten ihn politisch weniger beschädigt hat als die Kanzlerin. Das gibt ihm auch Raum, im neuen Amt zu wachsen, den Parteisoldaten hinter sich zu lassen.