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«Nicht mit Rachegedanken auf Nachbarn zugehen»

Schon bevor der IS seine Schreckensherrschaft errichtete, waren irakische Christen von islamistischen Gruppen terrorisiert worden. In der Nacht auf gestern haben sie die Befreiung der Stadt Karakosch feiern können.
Michael Wrase/Limassol

Im Christenviertel Ain Kawa der Kurdenhauptstadt Arbil herrschte in der Nacht auf gestern eine Stimmung wie an Weihnachten oder Ostern. Tausende waren auf die Strassen geeilt, um mit ausgelassenen Volkstänzen, dem inbrünstigen Absingen feierlicher Choräle und mit Sprechchören die Befreiung der Stadt Karakosch vom «Islamischen Staat» (IS) zu feiern.

Über 50 000 Christen waren im Juni 2014 vom IS aus der 13 Kilometer östlich von Mossul gelegenen Stadt vertrieben worden. Ihre Rückkehr wird wahrscheinlich aber erst nach der Befreiung von Mossul möglich sein. «Alle Minderheiten müssen dann aufpassen, nicht mit Rachegedanken auf ihre Nachbarn zuzugehen», warnte der ehemalige syrisch-katholische Bischof von Mossul, George Casmoussa, in einem Gespräch mit Radio Vatikan. Es sei für die Heimkehrer nicht einfach, das Geschehene zu ignorieren, aber Menschen, die Kirchen oder Häuser zerstört hätten, müssten vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden.

Von den Verwüstungen und Raubzügen der Terrormilizen in Nordirak am stärksten betroffen waren die Christenviertel von Mossul selbst. Im Gegensatz zu Karakosch, wo die Bewohner rechtzeitig fliehen konnten, wurden die 40 000 Christen der Tigris-Metropole vor die Wahl gestellt, ihre Häuser ohne Hab und Gut zu verlassen oder zum Islam zu konvertieren und eine Sondersteuer zu bezahlen. Die meisten der über 30 Kirchen von Mossul wurden verwüstet oder in Moscheen umgewandelt. Christliche Pilgerstätten wie das Grab des Propheten Jona zerstörten die Jihadisten mit Vorschlaghämmern und Baggern.

Lange Ära des Leidens der Christen in Irak

Bis zu Beginn der US-Militärinvasion zum Sturz von Saddam Hussein vor 13 Jahren hatten in Irak etwa 1,4 Millionen Christen gelebt . Unter dem säkularen Baath-Regime waren Assyrer, Chaldäer und Orthodoxe den Moslems gleichgestellt, ihre Kirchen wurden staatlich gefördert.

Nach dem Sturz Saddams überliess man die Christen ihrem Schicksal. Die ungenügend vorbereiteten US-Besatzer waren nicht in der Lage, den Schutz der religiösen Minderheiten zu garantieren. Im Chaos des Bürgerkrieges wurden auch Christen von islamistischen Gruppierungen gezielt terrorisiert. Bereits vor der Eroberung von Mossul durch den IS hatten 800 000 irakische Christen ihr Land verlassen. Die meisten Richtung Europa. Immer mehr Christen würden «nach den bitteren Erfahrungen mit Irak abschliessen», sagte der in Arbil lebende chaldäische Priester Behnan Lallo im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ob dieser Trend nach einem möglichen Sieg der irakischen Armee und der Kurdenmilizen gestoppt werden könne, sei nicht sicher. Trotz der Freude über die Befreiung von Karakosch hätten die meisten Christen noch immer Angst vor einer Zukunft im Norden Iraks.

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