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Der Spanier und Mustereuropäer Josep Borrell soll die EU in der Welt vertreten

Josep Borrell soll neuer EU-Aussenbeauftragter werden. Der Katalane ist ein alter Hase auf der EU-Bühne. Dabei musste er sich von ganz unten hochkämpfen.
Ralph Schulze, Madrid
Der 72-jährige Politikveteran Josep Borrell. (Bild: Stephanie Lecocq/EPA; Brüssel, 26. Juni 2019)

Der 72-jährige Politikveteran Josep Borrell. (Bild: Stephanie Lecocq/EPA; Brüssel, 26. Juni 2019)

Er gilt als Mustereuropäer, sozialdemokratischer Vordenker und ein Mann mit viel Regierungserfahrung: Josep Borrell, Kandidat der Staats- und Regierungschefs für das Amt des EU-Aussenbeauftragten, ist ein alter Bekannter auf der europäischen Bühne und ein politisches Schwergewicht. Sogar die Konservativen sind angetan von der Nominierung des 72-jährigen spanischen Sozialisten, der schon von 2004 bis 2007 als Präsident des EU-Parlamentes Spuren auf der europäischen Bühne hinterliess.

Der weltgewandte Politikveteran wurde 1947 in dem katalanischen Pyrenäen-Dorf Pobla de Segur als Sohn eines Bäckers geboren. Borrell erzählte einmal, dass er als Kind mit dem Esel durch die Gebirgsdörfer seiner katalanischen Heimat zog und Vaters Brot verkaufte. Auf dem Rücken des Esels, so berichtete er, habe er davon geträumt, als Erwachsener in die grosse weite Welt zu ziehen. Ein Wunsch, der dank seines grossen Fleisses und seiner eiserner Disziplin in Erfüllung ging.

Promovierter Wirtschaftswissenschafter und Luftfahrtingenieur

Borrell galt stets als Ausnahmestudent. Zunächst wurde er Luftfahrtingenieur, dann promovierte er als Wirtschaftswissenschafter. Es folgten Stipendien für Elite-Unis in Paris und Kalifornien sowie ein Sommeraufenthalt in einem Kibbuz in Israel. Er spricht neben seinen beiden Heimatsprachen Spanisch und Katalanisch auch fliessend Englisch und Französisch. Der Vater zweier Kinder ist in zweiter Ehe mit der früheren sozialistischen Umweltministerin Cristina Narbona verheiratet.

Gleich nach Ende der Franco-Diktatur (1975) trat Borrell in die sozialdemokratisch orientierte Sozialistische Partei ein. In Spaniens erster sozialistischer Regierung unter Felipe González wurde er 1982 Finanzstaatssekretär, dann Verkehrsminister. 1998 stieg er zum Kandidat der Sozialisten für das Amt des Regierungschefs auf, übernahm jedoch wenig später die Verantwortung für einen Korruptionsfall in seiner Umgebung und trat zurück. «Man sollte die Karriere nicht um jeglichen Preis verfolgen», sagte er damals.

Nach einer politischen Auszeit wandte sich der welterfahrene Katalane der Europapolitik zu, wurde mit einem Traumergebnis als sozialistischer Spitzenmann ins EU-Parlament gewählt und übernahm 2004 für die Sozialdemokraten zweieinhalb Jahre lang das Amt des Parlamentspräsidenten. «Ich bin weder Teil des alten, noch des neuen Europas. Ich bin einfach Europäer», definierte er seinen Standpunkt.

Widersacher von Carles Puigdemont

In Spaniens Konfliktregion Katalonien wurde Borrell in den letzten Jahren zum Widersacher des Separatistenchefs Carles Puigdemont. Seit Juni 2018 war Borrell Spaniens Aussenminister. Er lastete der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung an, das Ansehen Kataloniens und Spaniens durch die Verbreitung von Fake News zu schädigen, indem sie behaupte, dass die Region Katalonien vom Staat unterdrückt werde. Spanien sei eine der meistentwickelten Demokratien der Welt, erklärte Borrell. Und Katalonien sei kein von Spanien besetztes Territorium.

Borrell warf Puigdemonts Separatisten vor, mit unilateralen und rechtswidrigen Unabhängigkeitsschritten die katalanische Gesellschaft gespalten zu haben und zudem eine antieuropäische Politik zu propagieren: «Was sie vertreten, ist das Gegenteil des europäischen Ideals, das in der Anerkennung des Rechts und der Solidarität besteht.»

Als Hoher Vertreter der EU für Aussen- und Sicherheitspolitik wird Borrell, soweit ihn das europäische Parlament bestätigt, das neue aussenpolitische Gesicht der Union sein. Seine Aufgabe ist es dann vor allem, die gemeinsame Aussen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU zu koordinieren und gegenüber dem Rest der Welt zu repräsentieren.

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