Neuer Dämpfer für Italiens Regierungschef

ROM. Nach der Enttäuschung in den Regionalwahlen musste die Partei von Regierungschef Matteo Renzi in den Stichwahlen vom Sonntag erneut Stimmenverluste hinnehmen.

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ROM. Nach der Enttäuschung in den Regionalwahlen musste die Partei von Regierungschef Matteo Renzi in den Stichwahlen vom Sonntag erneut Stimmenverluste hinnehmen. Die bitterste Niederlage setzte es für seinen sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) in Venedig ab: Erstmals seit der Einführung der Direktwahl des Bürgermeisters vor 22 Jahren wird dort nun ein Vertreter des Mitte-Rechts-Lagers regieren. Venedig eingerechnet, hat der PD insgesamt fünf Provinzhauptorte verloren. Die Stimmenverluste im Norden Italiens passen gut zum katastrophalen Resultat, das die Kandidatin Renzis schon vor zwei Wochen in der Regionalwahl im Veneto eingefahren hat.

Kandidat im Zwielicht

Zur Niederlage in Venedig hat beigetragen, dass der sozialdemokratische Bürgermeister Giorgio Orsoni vor einem Jahr wegen eines Korruptionsskandals rund um das milliardenteure Hochwasserschutzprojekt «Mose» verhaftet worden war. «Und die Bilder der Flüchtlinge, die derzeit in den italienischen Städten in Bahnhöfen und im Freien übernachten, haben sicher auch nicht geholfen», erklärte Renzi gestern in der PD-Parteizentrale.

Vertreter des linken Parteiflügels forderten den Partei- und Regierungschef umgehend auf, über seinen Kurs und seine Reformen nachzudenken, zumal letztere auch traditionelle Stammwähler des PD wie die Staatsbeamten oder die Lehrer verunsicherten.

Lega erneut Wahlsiegerin

Euphorisch wurden die Stichwahlen im Mitte-Rechts-Lager kommentiert. «Der Wind im Norden hat gedreht; wenn wir geeint antreten, können wir noch Wahlen gewinnen», erklärte Ex-Premier Silvio Berlusconi. Die wahre Wahlsiegerin war freilich erneut die Lega Nord, die fast überall deutlich mehr Stimmen gemacht hat als Berlusconis Forza Italia. «Renzi, wir kommen», erklärte gestern Lega-Nord-Chef Matteo Salvini. (str)