Neue Phase in Kontakten mit den Taliban?

Seit Monaten gibt es Kontakte zwischen den Taliban, der afghanischen Regierung und den USA. Bisher haben sie keine Ergebnisse gebracht. Dies könnte sich nun ändern, schreibt die «Washington Post».

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Bangkok. General David Petraeus, der Chef der Nato-geführten internationalen Truppen in Afghanistan (Isaf), war erst ein paar Wochen im Amt, als er in Kabul Kontakt zu Salam Zaeef aufnahm. Dieser war einst Botschafter von Taliban-Führer Mullah Omar in Pakistan gewesen, später fünf Jahre Gefangener in Guantánamo. Heute ist Zaeef eine Art informeller Botschafter der Taliban in Kabul.

Drei Taliban-Fraktionen

Das Treffen zwischen Petraeus und Zaeef, bei grünem Tee und an einem von den Taliban bestimmten geheimen Ort, gehörte zu den Kontakten mit dem Taliban-Parlament Quetta Shura, die es schon langem gibt, die aber bisher zu nichts geführt haben. Nun will die «Washington Post» aber erfahren haben, dass die Taliban bei diesen Geheimkontakten «wirkliches und ernsthaftes Interesse» an einer Friedensvereinbarung gezeigt haben sollen. In Kabul reibt man sich darob erstaunt die Augen.

Denn während der vergangenen Monate deuteten alle Anzeichen auf das Gegenteil hin.

Die USA und die afghanische Regierung haben ihre Gegner in drei Gruppen aufgeteilt. Neben den Taliban unter Führung der Quetta-Shura macht ihnen die sogenannte Haqqani-Gruppe mit ihren engen Kontakten zur Al Qaida am meisten zu schaffen.

Die Gruppe stellt die meisten der extrem fanatischen Jihadisten, welche die Nachfolger der etwa 200 in den letzten Monaten von US Special Forces liquidierten Taliban-Kommandanten stellen und von politischem Dialog nichts wissen wollen.

Als drittes und schwächstes Glied der afghanischen Rebellen gilt die Gruppe Hezb-i-Islami um den Mujaheddin-Veteranen Gulbuddin Hekmatyar, dessen Leute gehen im Präsidentenpalast von Kabul bereits ein und aus, und dessen Kämpfer halten eine mehr schlecht als recht funktionierende Allianz mit den anderen Taliban-Gruppen aufrecht.

Quetta Shura steht im Zentrum

Die Gespräche mit der Hekmatyar-Gruppe sind am weitesten fortgeschritten. Ein möglicher Friede mit Gulbuddin Hekmatyar hätte aber allein kaum Einfluss auf den Kriegswillen der anderen Taliban-Fraktionen.

Sowohl Afghanistans Präsident Karzai wie auch die USA sind deshalb fest entschlossen, den Gesprächsfaden nicht abreissen zu lassen – vor allem mit der Fraktion Quetta Shura und deren «Botschafter» Salam Zaeef.

Willi Germund

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