Neue Hoffnung auf Waffenruhe

Die USA und Russland wollen sich auf die Bedingungen für eine Feuerpause geeinigt haben. Gleichzeitig werden jedoch neue Waffen in die Krisenregion gebracht. Erfolge gibt es im Kampf gegen den IS.

Michael Wrase
Drucken
US-Aussenminister John Kerry verkündete die Einigung in Amman. (Bild: epa/Jamal Nasrallah)

US-Aussenminister John Kerry verkündete die Einigung in Amman. (Bild: epa/Jamal Nasrallah)

ALEPPO. In Syrien besteht nach amerikanischen Angaben wieder Hoffnung auf eine Waffenruhe. Sie könnte in «den kommenden Tagen beginnen», verkündete der amerikanische Aussenminister John Kerry gestern in der jordanischen Hauptstadt Amman. «Die vorläufige Einigung über die Bedingungen für die Einstellung der Kampfhandlungen», welche nicht genannt wurden, sei in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow erzielt worden. Vor einem für Dienstag geplanten Expertentreffen in der Schweiz zur Umsetzung der Feuerpause wollten auch die Präsidenten beider Länder, Barack Obama und Wladimir Putin, über die Syrien-Krise sprechen.

Türkei verlegt Raketensysteme

Syriens Präsident Bashar al-Assad, der noch am vergangenen Dienstag eine Waffenruhe ausgeschlossen hatte, scheint nach einem massiven Rüffel seiner russischen Verbündeten inzwischen zu einer Feuerpause bereit zu sein. Diese dürfe aber nicht von den «Terroristen» – so bezeichnet Assad alle Rebellengruppen – zur Verbesserung ihrer Stellung ausgenutzt werden, forderte der Syrer in einem Interview mit der spanischen Zeitung «El País». Zudem müssten andere Länder, «vor allem die Türkei», daran gehindert werden, «mehr Rekruten, mehr Terroristen, mehr Waffen oder jegliche Art von logistischer Unterstützung für die Terroristen zu schicken». Wie dies bewerkstelligt werden soll, ist indes völlig unklar. Dass Feuerpausen für Nachschublieferungen genutzt werden, ist kein Geheimnis. Auch die russische Luftwaffe wird die Türken nicht völlig daran hindern können. In Erwartung kommender Waffenstillstandsverletzungen hatte die türkische Armee bereits am Samstag Mehrfachraketen-Systeme in die südliche Provinz Hatay verlegt. Sie haben eine Reichweite von über 100 Kilometern.

In einem Interview mit dem deutschen Magazin «Der Spiegel» kündigte der saudische Aussenminister Adel Jubeir zudem an, «moderate Rebellen» mit schultergestützten Luftabwehr-Raketen auszurüsten. Ob die USA mit den Lieferungen einverstanden sind, sagte der Saudi nicht. Militärexperten in der Region rechnen mit einem Veto. Auch Russland scheint sich auf eine weitere Zuspitzung der Lage einzustellen. Auf den Stützpunkt Erebuni unweit in der armenischen Hauptstadt Eriwan wurden vier Kampfjets sowie mehrere Bomber verlegt.

Erfolge der Regierungstruppen

Erfreuliches gibt es dagegen vom Kampf gegen den IS zu berichten. Die Terrormilizen wurden in den letzten Tagen von den kurdisch-dominierten «Demokratischen Kräften Syriens» (SDF) aus der ostsyrischen Provinz Hassakeh vertrieben. Die Jihadisten verloren ausserdem zwei Distrikte von Aleppo sowie 15 Dörfer im Osten der Millionenstadt an die Assad-Armee, die seit dem Wochenende auch wieder das grösste Heizkraftwerk im Norden Syriens kontrolliert. Die rasanten Erfolge der Regierungstruppen schreiben Militärexperten einem «besseren Schlachtfeldmanagement» zu. Assads Truppen und ihre Verbündeten würden wegen des russischen Eingreifens in die Militärplanung klüger eingesetzt, sagte Yezid Sayigh von der Denkfabrik Carnegie in Beirut.

Unterdessen kamen gestern bei mehreren Explosionen in den Städten Damaskus und Homs laut Berichten 120 Menschen ums Leben, über 100 wurden verletzt. Zu den Taten bekannte sich die Terrormiliz IS, die von den Friedensverhandlungen ausgeschlossen ist.

Aktuelle Nachrichten