Nationalgarde soll für Ruhe und Ordnung sorgen

FERGUSON. Jetzt soll der bewaffnete Heimatschutz in der Kleinstadt Ferguson für Ruhe und Ordnung sorgen. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, ordnete nach den bisher schwersten Unruhen im Schwarzen-Vorort von St.

Thomas Spang
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Jay Nixon Gouverneur von Missouri (Bild: ap)

Jay Nixon Gouverneur von Missouri (Bild: ap)

FERGUSON. Jetzt soll der bewaffnete Heimatschutz in der Kleinstadt Ferguson für Ruhe und Ordnung sorgen. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, ordnete nach den bisher schwersten Unruhen im Schwarzen-Vorort von St. Louis in der Nacht auf gestern den Einsatz der Nationalgarde an, um «Leben und Eigentum zu schützen». Er sprach von «vorbereiteten, koordinierten und zunehmenden Gewaltakten», die von einer Gruppe organisierter Einzelpersonen ausgeübt würden. Viele kämen von ausserhalb der Gemeinde und des Bundesstaates. «Ihre Aktionen gefährden die Einwohner und Unternehmen von Ferguson.»

Der Tag begann friedlich

Der Entscheid Nixons folgte einem Tag, der mit Gebeten um Frieden begonnen hatte und mit Gewalt in den Strassen endete. Wieder standen sich dabei Hunderte Polizisten mit Helmen und Schutzanzügen und Demonstranten gegenüber. Über der gespenstischen Szene kreisten Helikopter, während in den Seitenstrassen über 20 Rettungsfahrzeuge bereitstanden. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Rauchbomben ein, als eine Gruppe von Protestierenden das provisorische Lagezentrum der Polizei angegriffen hatte. Einsatzleiter Ron Johnson sagte, die Eskalation habe ihm keine andere Möglichkeit gelassen als mit Gegengewalt zu reagieren. «Molotow-Cocktails flogen, es ist auf die Polizei geschossen worden, sie haben versucht, die Polizei mit Barrikaden zu blockieren.»

Nach einer vorläufigen Bilanz erlitten drei Personen Schussverletzungen. Johnson sprach von «sieben bis acht Festnahmen». Gewiss nicht der Ausgang, den sich der Chef der «Highway Patrol» erhofft hatte, der am Donnerstag die Einsatzleitung von der lokalen Polizei übernommen hatte. Der Afroamerikaner stammt aus der Gegend, kennt viele der 21 000 Einwohner Fergusons und wird hier geschätzt.

Zusammen mit Führern der Bürgerrechtsbewegung, Pastoren und den Eltern des erschossenen Teenagers Michael Brown hatte Johnson am Sonntag zur Besonnenheit aufgerufen. Von der Kanzel der bis auf den letzten Platz gefüllten Greater Grace Church entschuldigte er sich bei der Familie für den Tod des 18-Jährigen, der am Samstag vor einer Woche am helllichten Tag von einem weissen Polizisten erschossen worden war.

Mehrere Autopsien

Der Vater des erschossenen Jugendlichen nickte mit dem Kopf. Auf seinem T-Shirt stand der Satz «Keine Gerechtigkeit, kein Frieden». Bürgerrechtler Al Sharpton sprach anschliessend von einem «entscheidenden Moment», der zeigen werde, «wie das Land mit der Polizei und den Rechten seiner Bürger umgeht». Sie hätten genug von Polizeigewalt gegen Angehörige von Minderheiten. Sharpton forderte die Übernahme der Aufklärung in Ferguson durch die Bundesregierung. Das Vertrauen in die lokale Polizei sei verloren.

Justizminister Erik Holder hat die Bundespolizei FBI bereits eingeschaltet. Am Wochenende ordnete er zusätzlich eine eigene Autopsie durch einen Experten der Regierung an. Die Befunde einer von Browns Familie initiierten Untersuchung der Leiche durch den Star-Pathologen Michael Baden verstärkten die Empörung in Ferguson. Demnach feuerte der Polizist sechs Kugeln auf den Jugendlichen ab, die alle von vorn in den Körper eindrangen, zwei davon in den Kopf. Er bestätigt die Darstellung, wonach die Schüsse aus einiger Entfernung abgefeuert wurden.

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