NAHOST: Israel lenkt am Tempelberg ein

Die israelische Regierung hat den Einsatz von Metalldetektoren am Tempelberg beendet. Stattdessen sollen hochauflösende Kameras für Sicherheit sorgen. Die palästinensische Seite hält am Boykott fest.

Susanne Knaul, Jerusalem
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Die israelische Polizei bricht die Metalldetektoren ausserhalb der Al-Aksa-Moschee ab. (Bild: Mahmoud Illean/Keystone (Jerusalem, 25. Juli 2017))

Die israelische Polizei bricht die Metalldetektoren ausserhalb der Al-Aksa-Moschee ab. (Bild: Mahmoud Illean/Keystone (Jerusalem, 25. Juli 2017))

Susanne Knaul, Jerusalem

Wer glaubte, dass die Proteste gegen die Metalldetektoren am Tempelberg in Jerusalem aufhören würden, sobald die Detektoren entfernt werden, musste enttäuscht werden. Obschon die israelische Polizei gestern früh die umstrittenen Sicherheitsanlagen wieder abbaute, die infolge eines tödlichen Anschlags errichtet worden waren, weigerten sich fromme Muslime, zur Al-Aksa-Moschee zu gehen. Stattdessen knieten sie sich auf die Strasse zum Gebet.

Die islamische Stiftung WAKF, welche die heilige Stätte verwaltet, erklärte, dass sie auch alternativen Sicherheitsarrangements wie Kameras nicht zustimmen wolle. Über die vergangenen eineinhalb Wochen waren mindestens vier Palästinenser getötet worden, drei Israelis verloren bei einem Terroranschlag ihr Leben, und Hunderte De­monstranten trugen Verletzungen davon.

Dissens in Regierung Israels

Um sicherzustellen, dass keine Waffen auf den Tempelberg geschmuggelt werden, erwägt Israels Polizei den Einsatz moderner Techniken wie Kameras mit Gesichtserkennung oder Kontrollapparate, die Sprengstoff anzeigen. Jerusalem veranschlagt Kosten von rund 28 Millionen Franken für das «smarte» Überprüfungssystem. Bedingung für die Anlagen ist, dass die Zugänge zum Tempelberg offen bleiben, sodass bei vielen Gläubigen keine Warteschlangen entstehen, wie dies bei den Metalldetektoren der Fall gewesen wäre.

Die Entscheidung in Israels Sicherheitskabinett über die Metalldetektoren war keine einstimmige. Minister der Siedlerpartei «Das jüdische Haus» stimmten gegen die Entfernung der Anlagen. Der Abgeordnete Bezalel Schmotrisch sprach von einer «Kapitulation vor dem Terror». Auch in den Reihen der grössten Partei, Likud, wurde Unmut laut. Demgegenüber rühmte der Knesset-Abgeordnete Masud Ganaim von der arabisch-antizionistischen Vereinten Liste die «Hartnäckigkeit der religiösen muslimischen Führung, der WAKF und der politischen palästinensischen Führung», die zu einem «Sieg der Schlacht» geführt habe.

Die Entscheidung Israels gegen die Metalldetektoren fiel nahezu zeitgleich auf die Ankündigung Jordaniens, den israelischen Botschaftswachposten, der am Vortag in Amman zwei Jordanier erschossen hatte, nach Israel ausreisen zu lassen. Die Regierung in Jerusalem stritt zwar einen Zusammenhang der beiden Entscheidungen ab. Tatsache ist, dass Jordaniens König Abdullah II. im Vorfeld der Kabinettsentscheidung telefonisch von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu forderte, die Metalldetektoren am Tempelberg entfernen zu lassen.

Jordanien und USA ebenfalls am Tisch

Jason Greenblatt, US-Sondergesandter im Nahen Osten, dürfte entscheidend zur Beilegung der Krise zwischen Israel und Jordanien mit beigetragen haben. Greenblatt erreichte am Montag Jerusalem, um in der Tempelbergkrise zu vermitteln, als der Zwischenfall an der israelischen Botschaft in Amman bekannt wurde. Dort hatte ein junger Jordanier den israelischen Wachmann mit einem Schraubenzieher angegriffen, worauf der Israeli den Angreifer erschoss und versehentlich noch einen zweiten Mann. Jordanien forderte zunächst, den israelischen Sicherheitsmann zu verhören, was Israel unter Berufung auf die Wiener Konvention ablehnte. Der Nahost-Gesandte der Vereinten Nationen, Nicholay Mladenov, warnte in New York, dass die «Gefahr weiter eskalieren wird, wenn es noch einen Freitag ohne Lösung gibt». Tausende Palästinenser kommen an normalen Freitagen nach Jerusalem, um in der Al-Aksa-Moschee zu beten.

Die radikal rechtsreligiöse Partei Otzma Jehudit kündigte nach der Regierungsentscheidung an, vor den Obersten Gerichtshof zu ziehen, sollten die Metalldetektoren nicht auch an der Mugrabibrücke, über die Juden und Christen den Tempelberg erreichen, entfernt werden. Es ginge nicht an, so hiess es, «dass Muslime nicht kontrolliert werden, Juden aber doch».