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Der brave Nachbar bleibt nicht länger still: Mexiko prüft rechtliche Schritte gegen Amerikaner

Zudem überlegt sich das Land, ein Auslieferungsgesuch für den Attentäter von El Paso zu stellen.
Klaus Ehringfeld aus Mexiko-Stadt
Freunde der am Samstag in El Paso erschossenen Mexikanerin Elsa Mendoza Marquez halten während eines Gedenkgottesdienstes in der amerikanischen Grenzstadt ein Foto der Verstorbenen in die Kameras. (Bild: Mark Lambie/Keystone)

Freunde der am Samstag in El Paso erschossenen Mexikanerin Elsa Mendoza Marquez halten während eines Gedenkgottesdienstes in der amerikanischen Grenzstadt ein Foto der Verstorbenen in die Kameras. (Bild: Mark Lambie/Keystone)

Keine 24 Stunden hat die mexikanische Regierung gebraucht, um auf das Attentat in El Paso zu reagieren. Präsident Andrés Manuel López Obrador schickte am Sonntag seinen Aussenminister Marcelo Ebrard vor, um eine für mexikanische

Verhältnisse auffällig scharfe Nachricht an den Nachbarn im Norden zu übermitteln. «Wir verurteilen diese barbarische Tat, bei der unschuldige Mexikaner getötet worden sind», sagte Ebrard in einer Videobotschaft auf Twitter.

Seine Wut und sein Entsetzen über die Vorkommnisse konnte der Minister kaum verbergen. Ebrard kündigte rechtliche Schritte zum Schutz der in den Vereinigten Staaten lebenden Mexikaner an. Vizeaussenminister Jesús Seade ergänzte, was ein ganzes Land und vermutlich auch die gesamte Regierung des Linkspräsidenten López Obrador denken: Präsident Trump, sagte Seade, trage mit seinen in den vergangenen Wochen gemachten Aussagen über Einwanderer und über ethnische Minderheiten in den USA zumindest eine Mitschuld an diesem Massaker. «Solche Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt», schrieb Seade auf Twitter. «Die Rhetorik, die sie anstachelt, muss vollständig beendet werden.»

Mexikos Geduld ist aufgebraucht

Bei dem Attentat in der Grenzstadt El Paso starben nach bisherigen Erkenntnissen mindestens sieben mexikanische Staatsbürger. El Paso und die auf der mexikanischen Seite der Grenze liegende Stadt Ciudad Juárez sind praktisch Zwillingsstädte, die durch Brücken miteinander verbunden und durch eine massiv befestige Grenze gleichzeitig voneinander getrennt sind. Täglich überqueren Zehntausende Mexikaner aus Ciudad Juárez die Grenze, um in El Paso zu arbeiten oder wie am vergangenen Samstag einzukaufen. 80 Prozent der Einwohner der texanischen Stadt haben einen hispanischen Hintergrund.

Mexikos Regierung hat seit Trumps Machtübernahme fast jede Zumutung, Beschimpfung und Drohung relativ klaglos hingenommen. Das Land ertrug es, als Trump die Mexikaner «Drogendealer und Kriminelle» nannte, es setzte sich mit ihm an einen Tisch, als er die Nordamerikanische Freihandelszone (Nafta) aufkündigte und neuverhandeln wollte, und es verschärfte auf Druck aus Washington die eigene grosszügige Migrationspolitik. Diese Geduld scheint nun aufgebraucht.

Rechtliche Schritte gegen Waffenverkäufer

Das zeigt sich auch darin, dass die Mexikaner erwägen, die Auslieferung des mutmasslichen Schützen von El Paso zu beantragen. Diese Entscheidung müsse letztlich aber die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft treffen, sagte Aussenminister Ebrard. Zudem werde die Regierung rechtliche Schritte gegen denjenigen einleiten, der dem mutmasslichen Täter die Waffe verkauft hat. Der Minister wollte noch am Montag nach El Paso fliegen, um sich vor Ort um die mexikanischen Opfer und ihre Angehörigen zu kümmern.

Präsident López Obrador selbst verlangte «mit Nachdruck» eine Bestrafung der Verantwortlichen. Er kritisierte zudem das liberale Waffenrecht in den USA: Nichts lasse sich durch Gewalt oder durch «Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit und Hass aufMigranten» lösen.

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