Nach der Attacke lebt Nizza wieder auf

Zur Sache

Stefan Brändle
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Es war eine laue Sommernacht mit Feuerwerk und Ferienflanieren an der Strandpromenade, als der Terror über Nizza hereinbrach. Drei endlos lange Minuten mähte ein labiler Kerl mit einem gemieteten 19-Tönner massenweise Menschen um. 86 Todesopfer waren an jenem 14. Juli 2016 zu beklagen, dazu Hunderte von Verletzten. Ein Jahr später zeigt sich Nizza von einer neuen Seite. Auf drei Kilometern wurde die Promenade des Anglais entlang des Stadtstrandes mit Beton­blöcken gegen ähnliche Attacken gesichert. Ein ausgeklügeltes Videosystem sichert das Stadtzen­trum. Aber das einst als reaktionär verschriene Nizza igelt sich nicht ein.

Bürgermeister Christian Estrosi, früher als Hard­liner am rechten Rand der konservativen Republikaner bekannt, zeigt Mitgefühl statt Polizeistaatdenken. Gestern zeigte er sich beim interreligiösen Gottesdienst demonstrativ neben Muslimas mit Kopftuch. Vor einigen Wochen sprach sich Estrosi dezidiert gegen die Weiterführung des – juristisch wie politisch umstrittenen – Ausnahmezustandes in Frankreich aus. Nizza macht vor, dass die Reaktion auf solche Gewalttaten und Terroranschläge nicht blind sein muss.

Der französische Präsident Emmanuel Macron liess sich gestern Abend in Nizza von der ernsten, aber auch optimistischen Stimmung der Stadt anstecken und wünschte seinen Landsleuten einen «gelassenen und fröhlichen» Quatorze Juillet. Dazu passt die Meldung, dass Frankreichs Tourismus nach dem terrorversehrten Schwächejahr 2016 in diesem Jahr einen neuen Besucher­rekord einfahren könnte. Seite 6