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Nach den Rauchern sind die Raser am Zug

Seit gestern läuft in Österreich das Pilotprojekt «Tempo 140» auf Autobahnen. Kritiker sprechen von einem populistischen Gag, Experten warnen vor erhöhter Unfallgefahr.

Für viele Österreicher mutet die Aktion wie Satire an, als müssten sie vergessen, was sie über Verkehrssicherheit und Umweltverschmutzung durch Abgase gelernt haben: Die rechte FPÖ und ihr Verkehrsminister Norbert Hofer lockern das Tempolimit auf der Autobahn – wenn auch vorerst nur auf Teststrecken.

Auf der Westautobahn Wien–Salzburg darf ein Jahr lang auf zwei markierten Abschnitten 140 Stundenkilometer gefahren werden. Wie in vielen Ländern gilt in Österreich Tempo 130. Nach offizieller Sprachregelung soll die Auswirkung der erhöhten Geschwindigkeit auf Luftgüte, Lärm, Einhaltung des Tempolimits und Unfallzahlen ermittelt werden. Unterscheiden sich die Daten nicht wesentlich, soll ab August 2019 Tempo 140 auf allen Autobahnen Österreichs eingeführt werden.

Experten halten das Pilotprojekt für sinnlos, die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit beispielsweise lasse sich durch einfache Rechnungen belegen. Laut dem Verkehrsclub ÖAMTC erweitert sich der Anhalteweg bei 140 km/h auf trockener Fahrbahn um 14 Meter, bei Nässe um 18 Meter. Die Zeitersparnis lohnt das erhöhte Unfallrisiko nicht, auf der längeren der beiden Teststrecken (45 Kilometer) beträgt diese gerade einmal eineinhalb Minuten.

Die Umweltreferenten der neun Bundesländer haben sich Mitte Juni geschlossen gegen Hofers Projekt gestellt. «Eine derartige Massnahme ist kontraproduktiv und das falsche Signal an die Bevölkerung», sagte Salzburgs grüner Umweltlandesrat Heinrich Schellborn. Pikantes Detail: Zwischen beiden Teststrecken befindet sich im Raum Linz ein längerer Abschnitt mit Tempo 100 aus Umweltschutzgründen. Danach können Autofahrer dort in beiden Richtungen auf 140 beschleunigen.

Verwirrung um Toleranzgrenzen

Befürworter des Projekts halten entgegen, dass 140 km/h auf Österreichs Autobahnen ohnehin längst üblich seien, nur falle dies noch unter die Toleranzgrenze und werde nicht gebüsst. Würden jedoch 140 behördlich erlaubt, so wiederum die Gegner, wären viele Autofahrer versucht, straflos auf 150 oder mehr zu erhöhen.

Der Verwirrung nicht genug: Beide Teststrecken befinden sich in zwei verschiedenen Bundesländern, wo auch noch unterschiedliche Toleranzgrenzen gelten. «Es ist allerhöchste Zeit, mit diesem Unfug aufzuhören», schimpft Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober, notabene auch ein Grüner. Bereits vor zwölf Jahren versuchte ein «blauer» Verkehrsminister, der aus Vorarlberg stammende Hubert Gorbach, das Tempolimit gar auf 160 zu erhöhen. Mit seinem Abgang wurde ein Testprojekt sang- und klanglos wieder eingestellt.

Doch Verkehrsminister Hofer geht es weniger um die Sache selbst. Seit die rechte FPÖ in der Regierung ist, versucht sie, lediglich ihre Anhänger zufriedenzustellen. Nachhaltige, für die Zukunft wichtige Reformideen kommen von ihrer Seite nicht. Mit dem Dauerthema Migration läuft das Konzept auch so bestens. Im Frühjahr hat die FPÖ gegen den Willen von Kanzler Sebastian Kurz das strikte Rauchverbot in der Gastronomie zu Fall gebracht. Nach den Rauchern sind nun die Autofahrer am Zug – Raser werden nicht ausgenommen. Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Hofer hofft, dass sich die so Beglückten bei der nächsten Hofburgwahl dankbar an ihn als Verkehrsminister erinnern werden. Für die Kritiker ist sein Projekt nichts weiter als ein schlechter, populistischer Gag.

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