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Demonstranten im Sudan kämpfen nach dem Putsch für eine Zivilregierung

Die Stimmung im Sudan ist nach dem Militärputsch gegen Präsident Omar al-Bashir in Ernüchterung und Zorn übergegangen. Hunderttausende Demonstranten fordern eine zivile Übergangsregierung.
Markus Schönherr, Kapstadt
Sudanesen protestieren in der Hauptstadt Khartum gegen die Übergangsregierung. (Bild: AP (12. April 2019))

Sudanesen protestieren in der Hauptstadt Khartum gegen die Übergangsregierung. (Bild: AP (12. April 2019))

Jugendliche himmeln Panzer an, Soldaten und Demonstranten fallen einander in die Arme und ein Uniformierter spielt sogar auf einem Saxofon, während die Menge um ihn tanzt. Diese Szenen begleiteten die Entmachtung des sudanesischen Ex-Despoten Omar al-Bashir durch die Armee am Donnerstag. Die Sudanesen feierten das Ende des umstrittenen Herrschers nach knapp drei Jahrzehnten an der Macht. Lang hielt die Euphorie allerdings nicht an. Bereits eine Stunde nachdem sich der Verteidigungsminister des Landes, Ahmed Awad Ibn Auf, zum Übergangspräsidenten ernannt hatte, wurde Kritik laut. «Die Regimekräfte haben einen internen Coup veranstaltet. Dadurch kamen dieselben Gesichter und Institutionen an die Macht, gegen die unsere mutigen Bürger revoltierten», hiess es von den Demonstranten.

Die grösste Sorge der Sudanesen ist, dass sich die Geschichte in der nordostafrikanischen Nation wiederholt: Schon Al Bashir war 1989 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen. Statt Reformen bescherte er dem ölreichen Staat eine Diktatur ohne Rede- und Pressefreiheit. Das Militär versuchte am Freitag, die Demonstranten von ihrer Mission zu überzeugen. «Wir haben keine Absicht, an der Macht festzuhalten. Wir wollen das Land vorwärts- und durch diese Krise führen», beteuerte ein Armeesprecher. Politische Parteien würden nicht verboten und innerhalb von zwei Jahren werde eine Zivilregierung übernehmen. Auch die Verfassung könne jederzeit wieder eingesetzt werden.

Demonstranten trotzten der neuen Ausgangssperre

Doch die Demonstranten zweifeln. In der Nacht zum Freitag trotzte die Menge einer verhängten Ausgangssperre. Die Zentrale der sudanesischen Armee, die in den vergangenen Tagen symbolischer Schauplatz von Massenprotesten wurde, erbebte erneut unter den Füssen Tausender wütender Bürger. «Wir versichern, dass Sudans Volk nichts Geringeres akzeptieren wird als eine zivile Übergangsregierung, bestehend aus patriotischen Experten, die nichts mit dem tyrannischen Regime zu tun hatten», teilte die «Sudanese Professional Association» (SPA) mit. Die Vereinigung regimekritischer Berufsverbände von Ärzten, Anwälten, Lehrern und Journalisten rief zu weiteren Protesten gegen die Militärregierung auf.

Und noch jemand anderes mahnte die Mitstreiter zum Durchhalten: Die 22-jährige Architekturstudentin Alaa Salah. In den letzten Tagen wurde die singende Streiterin mit Kopftuch und Goldohrringen zum Symbol des Widerstands. Mit Blick auf potenzielle Angriffe durch das Militär erklärte die junge Sudanesin: «Kugeln töten nicht. Das Schweigen des Volks schon.»

24 Stunden nach dem Putsch drohte die Situation im Sudan zu kippen. Beobachter äusserten Sorge darüber, dass es nicht nur Spannungen zwischen Militär und Volk gebe, auch die Sicherheitskräfte selbst seien zerstritten. So hatten sudanesische Zeitungen zuvor berichtet, die Armee habe sich an die Macht geputscht, um einen Putsch durch den Niss, Sudans gefürchteten Geheimdienst, zu verhindern.

Nachbarländer beobachten Entwicklung mit Sorge

Unterdessen sorgte die Machtübernahme des Militärs auch international für Kritik. US-Schauspieler George Clooney, der sich mit der Organisation «The Sentry» für Frieden in der Region einsetzt, erklärte gemeinsam mit Co-Direktor John Prendergast: «Den Anführer eines gewaltsamen, korrupten Systems abzusetzen, ohne das System zu demontieren, reicht nicht aus.» Alarmiert sei die Organisation über die rigorosen Notstandsmassnahmen der Armee. Diese beinhalten eine zweijährige Übergangsregierung, einen dreimonatigen Ausnahmezustand und die Auflösung von Parlament und Verfassung. Auch westliche Regierungen und Nachbarländer zeigten sich beunruhigt über die Entwicklungen in Khartum, der Hauptstadt Sudans.

Der Putsch im Sudan hat viele Fragen aufgeworfen. Unter anderen, wie es mit dem Friedensprozess im benachbarten Südsudan weitergeht. Sieben Jahre nach der Abspaltung vom Sudan hatten die Bürgerkriegsparteien dort 2018 Frieden geschlossen – unter der Vermittlung Omar al-Bashirs. Dessen Zukunft ist nach der Entmachtung ebenfalls ungewiss. Aktivisten und Menschenrechtsanwälte fordern seine Auslieferung an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC). Die Kläger in Den Haag suchen Sudans Ex-Despoten per Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ein Militärsprecher bestätigte am Freitag die Verhaftung des Ex-Präsidenten. Eine Auslieferung an eine «fremde Macht» schloss er allerdings aus. Al Bashir werde «innerhalb des Landes» der Prozess gemacht.

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